Hochverarbeitete Lebensmittel durchlaufen den Körper nicht spurlos. Sie hinterlassen messbare Spuren im Blut. Das zeigt eine neue Untersuchung mit Daten von mehr als 15.000 Teilnehmern der europäischen EPIC-Studie. Studienautorin Jessica Blanco-López erklärt, was das für unsere Ernährung bedeutet.
Hochverarbeitete Lebensmittel verändern Blutwerte
Ein internationales Forschungsteam um Dr. Jessica Blanco-López wertete Ernährungsfragebögen und Blutproben von 15.200 Probanden aus. Die Forscher wollten wissen, ob sich ein hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel im Stoffwechsel nachweisen lässt. Dafür sortierten die Forscher die Lebensmittel danach, wie stark sie verarbeitet waren, und analysierten anschließend Stoffwechselprodukte im Blut.
Das Ergebnis: Wer viele hochverarbeitete Lebensmittel isst, weist eine charakteristische „Fettsignatur“ im Blut auf. Die Wissenschaftler fanden Zusammenhänge mit 22 Stoffwechselprodukten und acht Fettsäuren.
Auffällig war dabei ein bestimmtes Muster. Menschen mit hohem Konsum hatten niedrigere Werte gesundheitsfördernder Fettsäuren wie der Omega-3-Fettsäure DHA. Gleichzeitig traten häufiger industrielle Transfettsäuren, gesättigte Fettsäuren und bestimmte Abbauprodukte von Omega-6-Fettsäuren auf. Auch Stoffwechselprodukte der Fett- und Energieverwertung waren verändert.
„Aus klinischer Sicht ist nicht ein einzelner Blutwert entscheidend, sondern das gesamte Muster“, so Studienleiterin Blanco-López.
Studienautorin hält kompletten Verzicht für unrealistisch
Komplett auf hochverarbeitete Lebensmittel zu verzichten, sei laut Blanco-López im Alltag oft kaum realistisch. Stattdessen empfiehlt sie, sie nach und nach durch möglichst wenig verarbeitete Alternativen zu ersetzen. „Schon kleine Verbesserungen der gesamten Ernährungsqualität gehen mit einer besseren Gesundheit einher“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten hin zu mehr Vollwertkost, darunter Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Fisch und andere nur minimal verarbeitete Lebensmittel.“
Die EPIC-Studie ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Zusammenhänge, kann aber keine Ursache belegen. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob die entdeckten Stoffwechselveränderungen tatsächlich zur Entstehung chronischer Erkrankungen beitragen.



