Schon das Atmen ihrer Schwester konnte Petra Dambeck-Winter früher nicht ertragen. Kerstin wiederum war wütend, dass ihre kleine Schwester überhaupt zur Welt kam. Dieses tiefe Zerwürfnis prägte über Jahrzehnte das Leben der beiden Frauen. Heute sind sich Kerstin Dambeck (60) und Petra Dambeck-Winter (57) so nahe wie nie zuvor – sie nennen sich beste Freundinnen und unterstützen andere Geschwister, die unter ähnlichen Konflikten leiden.
Im Gespräch mit BILD haben die Schwestern über ihre schwierige Vergangenheit gesprochen. Kerstin erinnert sich: „Ich war wütend, dass meine Schwester geboren wurde.“ Petra ergänzt, dass sie schon das Atmen der Schwester störte. Diese Aussagen sind ungewöhnlich offen und zeigen, wie tief die Verletzungen waren, die in der Kindheit entstanden.
Aufgewachsen im selben Haushalt waren sich die beiden so nah wie kaum andere Menschen. Sie teilten alltägliche Erlebnisse, Eltern und Freunde. Doch diese Nähe wurde zum Nährboden für eine erbitterte Rivalität. Sie verglichen sich ständig: Wer ist klüger, wer ist beliebter, wer hat mehr Talent? Jede Stärke der einen wurde als Bedrohung der anderen empfunden.
Jahrzehntelange Entfremdung
Die ständigen Vergleiche vergifteten das Verhältnis der Schwestern. Kerstin konnte sich nicht über die Geburt ihrer Schwester freuen, sondern empfand sie als Angriff auf ihre eigene Position. Petra entwickelte eine Abneigung, die sogar die bloße Anwesenheit, ja den Atem der Schwester umfasste. Solche Gefühle sind mehr als kindische Eifersucht – sie hinterließen tiefe Narben.
Im Erwachsenenleben trennten sich ihre Wege zunächst weiter. Jede ging eigene Beziehungen ein, gründete eine Familie und widmete sich den eigenen Kindern. Die alten Konflikte schienen beigelegt, aber nicht wirklich gelöst. Es brauchte eine bewusste Entscheidung, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Mit Ende 40 gelang die Wende
Erst mit Ende 40 schafften Kerstin und Petra den Durchbruch. Sie lernten, einander authentisch zu lieben – das heißt, die andere so anzunehmen, wie sie wirklich ist. Der Weg dahin war ein Prozess, keine einmalige Entscheidung. Offenheit, Gespräche und die Bereitschaft, eigene Fehler zu sehen, gehörten dazu.
Heute sind die beiden aus dem Leben der jeweils anderen nicht mehr wegzudenken. Sie haben eine Verbindung aufgebaut, die frühere Rivalität vollständig ersetzt hat. Aus Neid ist gegenseitige Anerkennung geworden, aus Distanz eine tiefe Freundschaft.
Weitergabe ihrer Erfahrung
Ihre Geschichte machen sich die Schwestern nun zunutze: Sie helfen anderen Schwestern und Brüdern, ihre eigenen Konflikte zu lösen. Dabei können sie aus erster Hand berichten, dass selbst eine jahrelang zerrüttete Beziehung repariert werden kann – vorausgesetzt, beide Seiten sind bereit, aufeinander zuzugehen.
Die vollständige Geschichte und konkrete Tipps von Kerstin und Petra gibt es in der BILDplus-Ausgabe. Für alle, die selbst mit einem schwierigen Verhältnis zu ihren Geschwistern kämpfen, könnte dieser Erfahrungsbericht ein Hoffnungsschimmer sein.
Was man aus dieser Geschichte lernen kann
Der Fall Kerstin und Petra zeigt: Geschwisterrivalität muss nicht für immer bleiben. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Versöhnung oft erst spät im Leben möglich wird. Es erfordert Mut, auf den Bruder oder die Schwester zuzugehen – aber der Lohn ist eine Beziehung, die tiefer sein kann als jede Freundschaft.
Wer alte Muster durchbrechen will, sollte Vergleiche hinter sich lassen und den anderen als eigenständigen Menschen akzeptieren. Kerstin und Petra haben diesen Weg geschafft. Ihre Geschichte ermutigt dazu, den ersten Schritt zu wagen – egal wie lange der Streit schon andauert.



