Der neueste Trend in sozialen Medien verspricht gesunde Pflanzen ohne herkömmlichen Dünger: eine Mischung aus Wasser und Hefe soll für kräftigeres Wachstum und bessere Ernten sorgen. Doch was steckt wirklich dahinter? Die Antwort: Hefe kann den Boden beleben, ersetzt aber keinen Dünger.
Warum Hefe kein Dünger ist
Der Gedanke hinter dem Hack ist naheliegend, denn Hefe enthält lebende Mikroorganismen und gilt daher als natürliches Hilfsmittel. Viele Hobbygärtner schließen daraus, dass sie Pflanzen ähnlich versorgen kann wie ein klassischer Dünger. Das ist jedoch ein Irrtum. Pflanzen benötigen vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium, um Blätter, Blüten und Früchte zu bilden. Diese Hauptnährstoffe liefert Hefe nicht in ausreichenden Mengen. Wer seine Beete oder Kübelpflanzen regelmäßig mit Hefewasser gießt, ersetzt damit also keine Düngergabe.
Hefe als Bodenaktivator
„Hefe ist eher Bodenaktivator als Düngemittel und steht den Pflanzen auch natürlich zur Verfügung“, erklärt Isabell van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie auf Nachfrage von myHOMEBOOK. Die mögliche Wirkung setzt an anderer Stelle an: Sie unterstützt Prozesse im Boden, die mit dem Abbau organischer Stoffe zusammenhängen. Davon profitieren Mikroorganismen, die Pflanzenreste, Laub oder andere organische Materialien zersetzen und dabei Nährstoffe freisetzen.
Wirkung hängt vom Boden ab
Wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt stark von den Bedingungen im Boden ab. In gut gepflegter Erde mit ausreichend Humus oder Kompost laufen diese natürlichen Prozesse meist ohnehin zuverlässig ab. „Je mehr organisches Material zur Verfügung steht, desto besser können die Mikroorganismen in der Erde das Material verarbeiten“, erklärt van Groeningen. Der Nutzen lässt sich kaum beurteilen, da weder die nötige Menge noch die Dauer eines möglichen Effekts zuverlässig bestimmbar sind.
Hefe schadet nicht, hilft aber auch nicht
Schaden richtet etwas Hefe im Garten normalerweise nicht an. Als Nährstofflieferant taugt sie jedoch nicht. Deutlich besser aufgehoben ist übrig gebliebene Hefe häufig auf dem Kompost, wo sie natürliche Zersetzungsprozesse unterstützen kann. Wer also auf den Trend setzt, sollte die Erwartungen anpassen: Hefe ist kein Wundermittel, sondern allenfalls eine kleine Unterstützung für das Bodenleben.



