Viele Deutsche, die nach Norwegen auswandern möchten, unterschätzen die bürokratischen Hürden und die hohen Lebenshaltungskosten. Das berichtet die Augsburger Allgemeine. Wer sich für ein Leben in Skandinavien entscheidet, muss sich auf einige Besonderheiten einstellen.
Bürokratie und Anmeldung
Zunächst müssen sich Auswanderer bei der norwegischen Einwanderungsbehörde UDI melden. Für EU-Bürger ist das Verfahren zwar unkompliziert, dennoch müssen bestimmte Fristen eingehalten werden. Innerhalb von drei Monaten nach der Einreise muss die Aufenthaltsbescheinigung beantragt werden. Wer dies versäumt, riskiert Probleme bei der Anmeldung des Wohnsitzes.
Die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt ist ebenfalls Pflicht. Ohne eine gültige Adresse in Norwegen ist es schwer, eine Steueridentifikationsnummer zu erhalten. Diese benötigt man jedoch für fast alle alltäglichen Dinge, vom Bankkonto bis zum Mobilfunkvertrag.
Hohe Lebenshaltungskosten
Ein weiterer Punkt, den viele unterschätzen, sind die Lebenshaltungskosten. Norwegen zählt zu den teuersten Ländern der Welt. Insbesondere Lebensmittel, Alkohol und Tabak sind deutlich teurer als in Deutschland. Auch Mieten in den Großstädten wie Oslo oder Bergen sind hoch. Wer mit einem deutschen Gehalt kalkuliert, wird schnell feststellen, dass das Geld nicht so weit reicht wie erwartet.
Laut einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamtes liegen die Verbraucherpreise in Norwegen rund 25 Prozent über dem deutschen Niveau. Besonders drastisch ist der Unterschied bei alkoholischen Getränken, die fast doppelt so viel kosten wie in Deutschland.
Sprache und Arbeitsmarkt
Die norwegische Sprache ist für viele Deutsche eine weitere Hürde. Zwar sprechen viele Norweger gut Englisch, doch im Arbeitsalltag ist Norwegisch oft unerlässlich. Ohne Sprachkenntnisse sind die Chancen auf einen qualifizierten Job deutlich geringer. Die norwegische Arbeitsagentur NAV bietet jedoch kostenlose Sprachkurse an, die auch von vielen Auswanderern genutzt werden.
Der Arbeitsmarkt in Norwegen ist stark von der Öl- und Gasindustrie geprägt. In den letzten Jahren gab es jedoch einen Wandel hin zu erneuerbaren Energien und Technologie. Fachkräfte in diesen Bereichen haben gute Aussichten. Dennoch sollten sich Auswanderer vorab über die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse informieren. Manche Berufe erfordern eine spezielle Zulassung, die erst nach einem Anerkennungsverfahren erteilt wird.
Steuern und Sozialversicherung
Das norwegische Steuersystem unterscheidet sich deutlich vom deutschen. Die Einkommensteuer ist progressiv und kann bei hohen Einkommen bis zu 46 Prozent betragen. Allerdings gibt es auch viele Abzugsmöglichkeiten, beispielsweise für Fahrtkosten oder berufliche Ausgaben. Es lohnt sich, einen Steuerberater zu konsultieren, um keine Vorteile zu verpassen.
Die Sozialversicherung ist in Norwegen ebenfalls Pflicht. Arbeitnehmer zahlen Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung. Das Gesundheitssystem ist öffentlich und wird über Steuern finanziert. Für viele Deutsche ist es ungewohnt, dass man für Arztbesuche eine Zuzahlung leisten muss. Diese ist jedoch gedeckelt, sodass niemand übermäßig belastet wird.
Kulturelle Unterschiede
Neben den praktischen Aspekten sollten Auswanderer auch die kulturellen Unterschiede beachten. Norweger gelten als eher zurückhaltend und distanziert. Freundschaften entstehen oft langsamer als in Deutschland. Es ist daher wichtig, aktiv auf die Menschen zuzugehen und sich in Vereinen oder Nachbarschaften zu engagieren.
Auch das Wetter kann eine Herausforderung sein. Die langen, dunklen Winter im Norden sind für viele Deutsche gewöhnungsbedürftig. Psychologen empfehlen, sich frühzeitig auf die Dunkelheit einzustellen und gegebenenfalls Vitamin-D-Präparate einzunehmen. Im Sommer hingegen scheint die Sonne fast rund um die Uhr, was viele als angenehm empfinden.
Fazit
Auswandern nach Norwegen ist eine lohnende, aber anspruchsvolle Entscheidung. Wer die bürokratischen Hürden meistert, sich auf die hohen Kosten einstellt und die Sprache lernt, findet in Norwegen eine hohe Lebensqualität. Die atemberaubende Natur und die Sicherheit des Landes machen viele Nachteile wieder wett. Eine gründliche Vorbereitung ist jedoch unerlässlich, um böse Überraschungen zu vermeiden.



