Hitzewellen setzen Gartenboden zu: Wasser wird abgewiesen
Hitzewellen: Gartenboden verliert Wasseraufnahme

Tagelange Trockenheit und Hitze setzen dem Gartenboden massiv zu. Was nach abgestorbener, steriler Erde aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Überlebensstrategie: Regenwürmer, Bakterien und Pilze fahren ihren Stoffwechsel herunter, um die Dürre zu überstehen. Die Folgen für den Boden sind jedoch gravierend – er verliert die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, und wichtige Nährstoffe bleiben für Pflanzen blockiert.

Warum trockener Boden heißer wird

Wie das zum Axel-Springer-Verlag gehörende Portal myHOMEBOOK berichtet, leidet das Bodenleben in Hitzewellen vor allem unter Wassermangel. Martin Schädler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erläutert: Trockener Boden heizt sich deutlich stärker auf als feuchter, weil die kühlende Verdunstung fehlt. Besonders betroffen sind die oberen Bodenschichten. In tieferen, noch feuchten Bereichen bleiben viele Organismen dagegen länger aktiv, da dort die Temperaturen weniger stark ansteigen.

Diese Unterschiede sind entscheidend für das Überleben der Bodenfauna. Während die oberste Schicht regelrecht ausglüht, bieten die tieferen Horizonte eine Art Rückzugsgebiet. Allerdings hilft das nur, solange die Feuchtigkeit dort ausreicht. Bei langanhaltender Dürre trocknen auch diese Reserven aus.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Regenwürmer fliehen in die Tiefe

Regenwürmer sind auf Feuchtigkeit angewiesen, da sie über ihre Haut atmen. Wird der Boden zu trocken, ziehen sie sich bis zu 30 Zentimeter in die Tiefe zurück, rollen sich zusammen und fallen in eine Trockenstarre. Hält die Dürre jedoch lange an, sterben viele Tiere. Die Erholung der Population dauert, weil heimische Regenwürmer meist nur eine Generation pro Jahr hervorbringen.

Die Gänge, die Regenwürmer graben, bleiben übrigens oft über Jahre erhalten. Sie dienen später als wichtige Leitbahnen für Wasser und Wurzeln. Ein toter Regenwurm bedeutet also nicht, dass seine Arbeit vergeblich war.

Bakterien und Pilze im Sparmodus

Auch Mikroorganismen geraten unter Stress. Die dünnen Wasserfilme, in denen Bakterien und Pilze normalerweise leben, trocknen aus. Viele Arten wechseln deshalb in Ruhestadien oder ziehen sich in feuchte Bodenporen zurück. Die Aktivität der Mikroben sinkt auf ein Minimum.

Das hat konkrete Folgen: Pflanzenreste werden deutlich schlechter zersetzt, sodass dem Boden weniger Nährstoffe zur Verfügung stehen. Pflanzen erhalten auf diese Weise weniger wichtige Nährstoffe, was sich oft an kümmerlichem Wuchs und helleren Blättern zeigt.

Wenn der Boden Wasser abweist

Regenwürmer, Wurzeln und Mikroorganismen schaffen normalerweise Poren und stabile Bodenkrümel, durch die Niederschläge versickern können. Geht dieses Gefüge verloren, verschlechtert sich die Wasseraufnahme drastisch. Zusätzlich kann es bei starker Austrocknung zu einer regelrechten Wasserabweisung kommen. Dabei umhüllen wachsartige Stoffe die Bodenteilchen, sodass Wasser nicht einsickert, sondern an der Oberfläche abperlt.

Besonders häufig tritt dieser Effekt bei sandigen und humusreichen Böden auf. Doch auch andere Bodenarten sind betroffen, wenn die Trockenheit lange genug anhält. Abgesehen von der fehlenden Durchfeuchtung führt das zu Erosion, da das Wasser oberflächlich abfließt und dabei wertvollen Boden mitnimmt.

Starkregen hilft oft nicht weiter

Selbst nach längerer Trockenheit profitieren Pflanzen nicht automatisch von starken Niederschlägen. Wasser kann durch Wurmgänge oder Trockenrisse rasch in tiefere Schichten gelangen und den Wurzelbereich umgehen. Oft wird nur die oberste Bodenschicht befeuchtet, während die Wurzeln weiterhin im trockenen Erdreich stecken.

Der Boden erholt sich deshalb bei langanhaltendem Landregen deutlich besser als bei kurzen, heftigen Gewittern. Eine langsame, gleichmäßige Bewässerung entspricht in ihrer Wirkung eher den natürlichen Bedingungen, die den Boden in die Lage versetzen, Wasser zu speichern.

Bodenarten könnten für immer verschwinden

Sollten extreme Trockenphasen künftig häufiger auftreten, warnen Fachleute vor dauerhaften Schäden. Einzelne Bodenarten könnten für immer verschwinden. Das hätte weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem: Die Bodenqualität beeinflusst nicht nur den Gartenbau, sondern auch die Landwirtschaft, den Wasserhaushalt und letztlich das Klima.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Der Verlust von Bodenorganismen und Bodenstruktur ist deshalb kein rein ästhetisches Problem. Er gefährdet die Grundlage für Pflanzenwachstum und könnte langfristig die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigen. Angesichts des Klimawandels gewinnt der Schutz des Bodens als Lebensraum zunehmend an Bedeutung.