Immer mehr Paare aus Deutschland und Österreich träumen von einer Hochzeit in Italien. Die malerischen Kulissen von Venedig bis Sizilien locken nicht nur Prominente wie Dua Lipa, sondern auch Normalbürger. Doch der Boom hat unerwartete Folgen: Viele Gemeinden in Südtirol klagen über den enormen Verwaltungsaufwand und schränken die Zahl der Trauungen für Auswärtige ein.
Völs am Schlern begrenzt Hochzeiten
Die Gemeinde Völs am Schlern mit 3500 Einwohnern hat beschlossen, künftig nur noch fünf standesamtliche Trauungen pro Jahr für Paare von außerhalb zuzulassen. Bürgermeister Othmar Stampfer erklärte gegenüber der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“: „Die arbeitstechnische Abwicklung ist ein Problem – wie auch bei der Scheidung. Unsere Personalressourcen sind begrenzt.“ Ähnlich reagieren andere Gemeinden: In Kastelruth werden bevorzugt Stammgäste bedacht, die seit Jahren Urlaub im Ort machen. Wer nur zur Hochzeit anreist, hat kaum Chancen. In Nals können Auswärtige nur am Donnerstagnachmittag heiraten.
Höhere Gebühren als Bremse
Um die Nachfrage zu drosseln, erhöhen viele Gemeinden die Gebühren. In Kastelruth zahlen auswärtige Paare 450 Euro für eine Trauung im Ratssaal und 700 Euro auf der Seiser Alm. In Eppan kostet die standesamtliche Hochzeit für Nichtansässige 500 Euro – doppelt so viel wie für Einheimische.
Der bürokratische Aufwand ist beträchtlich: Deutsche Paare benötigen ein Ehefähigkeitszeugnis, auf das sie oft monatelang warten müssen. Zudem wird die Ehe im Heimatland häufig erst nach Monaten anerkannt, da die Eintragung über Konsulate läuft. Im Falle einer Scheidung müssen sich Betroffene erneut an die italienische Gemeinde wenden. Standesbeamte raten daher, die Entscheidung für eine standesamtliche Hochzeit in Italien wohl zu überlegen.
Zweigeteilte Hochzeit als Ausweg
Viele Paare wählen inzwischen eine zweigeteilte Hochzeit: Die standesamtliche Trauung findet im Heimatland statt, das Fest mit Familie und Freunden in Italien. Auch Popstar Dua Lipa hat sich für dieses Modell entschieden: Sie gab sich in der Old Marylebone Town Hall in London das Jawort, die große Feier folgt auf Sizilien mit rund 300 Gästen.
Der Trend zum Hochzeitstourismus in Italien zeigt keine Anzeichen einer Abkühlung, doch Gemeinden und Paare müssen sich der wachsenden Herausforderungen bewusst sein.



