Festgeld verbindet hohe Sicherheit mit Planbarkeit: Anleger zahlen Geld auf ein Festgeldkonto ein und erhalten über die Laufzeit festgeschriebene Zinsen. Die Anlagesumme unterliegt keinen Marktschwankungen und wird am Ende vollständig zurückgezahlt. Bisher verlangten viele Banken hohe Mindestanlagen von 10.000 Euro oder mehr – eine Hürde für Sparer, die nicht so viel Geld langfristig entbehren können. Doch es gibt Alternativen: Einige Institute bieten attraktive Zinsen bereits ab einem Euro. Der Finanzredakteur Rüdiger Kopp hat die Angebote verglichen.
Hoistspar: Festgeld schon ab einem Euro
Die schwedische Bank Hoistspar ermöglicht ein Festgeldkonto bereits mit einer Mindestanlage von einem Euro. Laufzeiten sind zwischen drei und 24 Monaten wählbar. Der höchste Zinssatz liegt bei 3,11 Prozent für zweijähriges Festgeld. Die Zinsgutschrift erfolgt am Laufzeitende. Die Einlagensicherung beträgt 1.150.000 Schwedische Kronen, umgerechnet rund 104.000 Euro, und unterliegt dem schwedischen Sicherungssystem.
Klarna: Flexible Laufzeiten ab einem Euro
Auch der schwedische Finanzdienstleister Klarna erlaubt die Eröffnung eines Festgeldkontos ab einem Euro. Die Laufzeiten reichen von drei bis 48 Monaten. Den maximalen Zinssatz von 3,05 Prozent gibt es bei vier Jahren Anlagedauer. Bei Laufzeiten ab 12 Monaten werden die Zinsen jährlich gutgeschrieben, sonst am Ende. Die Einlagensicherung beträgt 100.000 Euro, wobei Klarna für sein Produkt „Festgeld+“ angibt, die Entschädigung erfolge über die deutsche Entschädigungseinrichtung.
Bank of Scotland: Festgeld ab 100 Euro
Die Bank of Scotland, eine Marke der Lloyds Bank mit Sitz in Berlin, verlangt eine Mindestanlage von 100 Euro. Laufzeiten sind auf drei bis zwölf Monate begrenzt. Der Höchstzinssatz von 3,0 Prozent wird bei einer Anlagedauer von einem Jahr gewährt. Die Zinsgutschrift erfolgt bei 12 Monaten jährlich, sonst am Ende. Die Einlagensicherung beträgt 100.000 Euro und fällt unter den deutschen Schutzschirm.
Stellantis Bank: Festgeld ab 500 Euro
Die Stellantis Bank bietet Festgeld mit einer Mindestanlage von 500 Euro. Laufzeiten sind zwischen drei und 48 Monaten möglich. Den höchsten Zinssatz von 3,1 Prozent gibt es für zwei Jahre. Bei Laufzeiten ab 12 Monaten werden die Zinsen jährlich gutgeschrieben, sonst am Ende. Die Einlagensicherung beträgt 100.000 Euro und unterliegt dem französischen Sicherungssystem.
Steuerliche Unterschiede beachten
Ein wichtiger Unterschied betrifft die Versteuerung: Die schwedischen Anbieter Klarna und Hoistspar zahlen Zinsen brutto aus, also ohne Abzug von Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Sparer müssen die Erträge in der Anlage KAP der Steuererklärung angeben. Bei der Bank of Scotland und der Stellantis Bank führen die Institute die Steuern automatisch ab. Hier kann zudem ein Freistellungsauftrag eingerichtet werden, um den Sparerfreibetrag von 1.000 Euro zu nutzen.
Einlagensicherung im Vergleich
Alle vier Banken unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro, jedoch über verschiedene Sicherungsfonds. Die Bank of Scotland fällt unter den deutschen Schutzschirm, die Stellantis Bank unter den französischen, Klarna und Hoistspar unter den schwedischen. Viele Sparer fühlen sich mit der deutschen Einlagensicherung am wohlsten, da der deutsche Staat als finanzstark gilt. Schweden hat jedoch ebenfalls ein AAA-Rating, Frankreich liegt mit A+ etwas darunter. Bei Hoistspar beträgt die Deckungssumme umgerechnet rund 104.000 Euro, während Klarna angibt, die Entschädigung erfolge über die deutsche Einrichtung.
Tagesgeld als Alternative bei kurzen Laufzeiten
Bei Laufzeiten bis sechs Monate kann Tagesgeld attraktiver sein. Einige Banken garantieren bis zu 4,0 Prozent Zinsen, und das Geld bleibt jederzeit verfügbar. Zudem gibt es meist keine Mindestanlage. Der Tagesgeld-Vergleich hilft bei der Suche nach den besten Angeboten.
Fazit: Hohe Zinsen sind keine Frage der Anlagesumme
Attraktive Festgeld-Zinsen und kleine Anlagesummen schließen sich nicht aus. Die Hoistspar bietet mit einem und zwei Jahren Laufzeit zu den besten Konditionen, Klarna überzeugt bei längeren Laufzeiten. Wer den Steueraufwand scheut, findet bei der Bank of Scotland und der Stellantis Bank steuereinfache Konten mit soliden Zinsen. Bei sehr kurzen Laufzeiten kann Tagesgeld die bessere Wahl sein.



