Genua, vergangenes Jahr im Oktober. Sieben Uhr morgens, strömender Regen. Noch nicht hell draußen, aber auch nicht mehr dunkel – graues Zwielicht. Wir saßen zu viert im Auto plus Hund, kamen aus Ligurien und waren auf dem Heimweg. Die Fahrt führte durch Genua, über die Stadtautobahn. Es war ein labyrinthartiges Gewirr aus zweispurigen, kurvigen Straßen in unterschiedlichen Höhenlagen. Etwa alle hundert Meter tauchte ein Tunnel auf. Auf der rechten Spur reihte sich ein Lastwagen an den nächsten, ihr Dröhnen war ohrenbetäubend. Es gab keine Kriechspur, nicht einmal den schmalsten Streifen, um auszuweichen. Die Scheibenwischer schleuderten mit Höchstgeschwindigkeit Hektoliter Wasser zur Seite. An den Leitplanken in jeder engen Kurve blinkten hektisch gelbe Warnlichter. Immer wieder. Es fühlte sich an, als würden wir im Kreis fahren, im untersten Höllenkreis.
Diese Erfahrung war nur der Höhepunkt einer Reihe von enttäuschenden Urlauben in Italien. In den letzten Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich dieses Land so sehr liebe, obwohl es mir so oft die Laune verdirbt. Die Strände sind überfüllt und oft schmutzig, die Hotels haben Wanzen, und selbst der Espresso schmeckt nicht mehr so gut wie früher. Früher war Italien für mich das schönste Land der Welt, aber nach mehreren Pleiten bin ich ernüchtert.
Ich erinnere mich an einen Urlaub an der Adria, wo der Strand so voll war, dass man kaum ein Handtuch ausbreiten konnte. Das Wasser war trüb, und überall lag Müll herum. In einem anderen Hotel in der Toskana fanden wir Wanzen im Bett. Der Besitzer entschuldigte sich nicht einmal, sondern sagte nur, das sei normal. Und dann der Espresso: Früher war er stark und aromatisch, jetzt schmeckt er oft wässrig und verbrannt. Selbst in traditionellen Bars bekommt man manchmal eine enttäuschende Tasse.
Italien bleibt für mich ein Land voller Schönheit, aber die Realität vor Ort ist oft eine andere. Vielleicht sollte ich es nur noch aus der Ferne lieben, wie eine unerfüllte Romanze. Die Erinnerungen an die guten Zeiten sind stark, aber die Gegenwart macht es schwer, diese Liebe aufrechtzuerhalten.



