Waldbrände bei Bordeaux: Deutsche Urlauber müssen Ferienort verlassen
Waldbrände bei Bordeaux: Urlauber fliehen vor Flammen

Sechs Wochen Sommerferien am idyllischen See von Lacanau – so hatte sich Hartmut Borowski seinen Urlaub vorgestellt. Doch die Realität sah anders aus: Nur wenige Tage nach der Ankunft schlug die Stimmung in Angst um. Die Waldbrände in der Region um Bordeaux rückten immer näher an den beliebten Campingplatz heran, und die Familie aus Ratingen musste Hals über Kopf fliehen.

Mehr als 220.000 Menschen von den Bränden betroffen

Borowski ist einer von etwa 4.000 Urlaubern, die in Lacanau innerhalb kürzester Zeit ihre Zelte abbrechen mussten. Sie gehören zu den letzten von mehr als 220.000 Menschen, die wegen der Flammen in der Nähe von Bordeaux ihre Unterkünfte verlassen haben. Zwar durften inzwischen Zehntausende wieder in ihre Häuser und Ferienwohnungen zurückkehren, doch für viele bleibt der Schrecken tief sitzen. Auch Borowski hofft, bald an seinen angestammten Wohlfühlort zurückzukehren, wo er seit Jahrzehnten Urlaub macht.

„Erstmal hieß es, ist alles sicher“, erinnert sich der Rentner an die ersten Stunden seines Aufenthalts. „Und dann drehte der Wind, dann kam Rauch zu uns rüber, und dann wurden wir sicherheitshalber evakuiert.“ Sein Wohnwagen samt kompletter Campingausrüstung musste zurückbleiben. Mit einem voll beladenen Anhänger machte sich die Familie auf den Weg nach Norden – nach Hourtin, auf einen anderen Campingplatz.

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„Selbst die eisernen Niederländer packten“

Auch Patrick Behrens und sein zwölfjähriger Sohn Oskar erlebten das Flammeninferno am eigenen Leib. Zunächst zeigte sich der 53-Jährige zuversichtlich: „Ich war eigentlich guter Dinge, weil es ja am Vortag geregnet hat“, sagt er. Doch dann schrillten die Warn-Apps auf den Handys, und die Lage spitzte sich rasant zu. „Das konnte ich nicht so ganz glauben, aber wenn man sich so umschaute auf dem Platz, packten wirklich alle, selbst die eisernen Niederländer, die ja wirklich zuletzt gehen.“

Die Lüdenscheider flohen ebenfalls nach Hourtin und fanden dort ein neues Zuhause für ihre Ferien. Kurzerhand luden sie ihren Freund Borowski ein: Behrens bot ihm sein Wohnmobil an und schlief selbst im Zelt. Auch eine dritte Familie schloss sich an. „Das war wirklich ganz schön, muss ich sagen. Ja, und jetzt ist auch gut, wenn wir wieder zurückkommen“, resümiert Behrens.

Löschflugzeuge als ständige Begleiter

Trotz der bedrohlichen Szenerie fühlte sich Behrens nie unmittelbar in Gefahr. „Ich habe das gar nicht so wild empfunden, weil wenn man drei, vier Tage lang die Löschflugzeuge ständig über seinem Kopf fliegen sieht, dann strahlte das so ein bisschen Sicherheit auch aus.“ Dennoch blieben die Zeichen der Zerstörung allgegenwärtig: Ascheregen und Holzkohlestückchen rieselten vom Himmel, und nach einem Strandbesuch war der Wohnwagen komplett mit einer Rußschicht überzogen. „Da wurde einem so ein bisschen mulmig“, gesteht der 53-Jährige. Sein Sohn habe daraufhin beschlossen, so lange wie möglich auf dem Platz auszuharren.

Auch Borowski betont, keine konkrete Angst gehabt zu haben: „Weil ich wusste ja, dass das Feuer nicht bei uns ankommt.“ Doch die Verantwortung für die Enkelkinder habe schwer auf seinen Schultern gelastet. Vor allem seine Frau sei durch die Evakuierung stark mitgenommen worden. „Im Moment ist es gut, weil die Kinder entspannen können. Meine Frau ist auch wieder runtergekommen und ich auch an und für sich.“ Doch die Erlebnisse hinterlassen Spuren. Mit brüchiger Stimme sagt der Rentner: „Wühlt einen trotzdem immer wieder auf noch.“

Geistercampingplatz in der Nebensaison-Stimmung

Unter den außergewöhnlichen Umständen entdeckten Behrens und Oskar jedoch auch etwas Positives: „Es war wirklich ein Geistercampingplatz, aber wir fühlten uns dadurch eigentlich ganz wohl und an die Nebensaison erinnert.“ Von rund 600 Plätzen seien nur noch etwa 40 belegt gewesen, berichtet er. Das gemeinsame Erleben habe die Gruppe zusammengeschweißt.

Die Bilder der Flammen haben aber auch eine Welle der Verunsicherung ausgelöst. Viele deutsche Touristinnen und Touristen, die weiter nördlich an der französischen Westküste urlaubten, beobachten die Lage mit Sorge. Einige haben ihren Frankreichurlaub gleich ganz storniert, wie eine Campingplatzbetreiberin bedauernd mitteilt.

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Zurück an der Côte d'Argent – mit Notfallplan

Borowski und Behrens kennen Lacanau seit 36 Jahren und verbringen dort seit Jahrzehnten regelmäßig ihre Sommerferien. Nun hoffen beide, dass die Behörden bald Entwarnung geben und sie zu ihrem zurückgelassenen Camper zurückkehren können. Der Schrecken wird ihre Urlaubsliebe jedoch nicht trüben. Behrens will die Region keinesfalls meiden, aber künftig besser vorbereitet sein: „Das Einzige, was wir zukünftig machen, ist, dass wir noch ein Zelt im Wohnwagen haben“ – für den Fall, dass jemand ein Notlager braucht oder sie ihren Wohnwagen erneut zurücklassen müssen.

Trotz allem blickt der Lüdenscheider gelassen auf die vergangenen Tage zurück: „Im Rückblick hat es sich zum Abenteuerurlaub entwickelt.“