Die neue EU-Verordnung zum Recht auf Reparatur tritt in Deutschland im August in Kraft. Sie soll Elektroschrott reduzieren und Verbrauchern teure Neuanschaffungen ersparen. Wer seine defekte Waschmaschine, das Mobiltelefon oder den Saugroboter innerhalb der zweijährigen Gewährleistung reparieren lässt statt ein Austauschgerät zu wählen, erhält künftig zwölf Monate zusätzliche Garantie. Hersteller müssen außerdem länger Ersatzteile vorhalten.
Ob der Plan der Bundesregierung aufgeht, ist allerdings offen. SPIEGEL-Kollegin Maria Marquart verweist auf das Beispiel Frankreich: Dort zahlen Hersteller in einen Fonds ein, aus dem Reparatur-Boni an Kunden ausgezahlt werden. Auf dem Papier klinge der deutsche Plan „nach einem Durchbruch“, schreibt Marquart. „In der Praxis gibt es jedoch Zweifel, ob der Wandel gelingt.“ Möglicherweise müsse das neue Gesetz, kaum in Kraft, selbst noch einmal in die Werkstatt.
Phantom im Parlament: Sieghard Knodel fehlt bei 59 von 68 Abstimmungen
Der fraktionslose Abgeordnete Sieghard Knodel ist im Deutschen Bundestag ein Phänomen. In der laufenden Legislatur verpasste er 59 von 68 Abstimmungen. An mehr als der Hälfte der Sitzungstage war der frühere AfD-Politiker nicht anwesend. Im Parlamentsviertel wird er deshalb „das Phantom“ genannt. Trotzdem bezieht er monatlich fast 12.000 Euro als Abgeordnetenentschädigung.
SPIEGEL-Korrespondentin Christine Keck beschreibt Knodel als das Gegenteil eines guten Volksvertreters. Der 65-jährige Landmaschinenmechanikermeister von der Schwäbischen Alb verabscheut die freie Presse, ließ sich aber zu einem Gespräch überreden. Auf die Frage nach einem schlechten Gewissen antwortete er: „Ich habe als Unternehmer so viele Steuern bezahlt, da ist es nur fair, wenn der Staat mir wieder etwas zurückgibt.“ In seiner früheren Partei, der AfD, wird er als „Faulenzer“, „Sozialschmarotzer“ und „Totalausfall“ beschimpft. Parteimitglieder fordern, dass er sein Mandat zurückgibt. Knodel lehnt das ab: „So dreckig wie ich behandelt wurde, tue ich denen den Gefallen nicht.“
Tour de France Femme: Pionierin Maria Canins erinnert sich
Die 113. Tour de France endete am Sonntag mit dem fünften Gesamtsieg des Slowenen Tadej Pogačar seit 2020. Ab Samstag richtet sich der Blick auf die Frauen: In Lausanne startet die Tour de France Femme, offiziell in ihrer fünften Auflage. Tatsächlich gab es bereits in den Achtzigerjahren eine weibliche Tour-Serie. Die Südtirolerin Maria Canins gewann sie zweimal. 1989 wurde die Serie aus Mangel an Sponsorengeldern eingestellt.
SPIEGEL-Kollege Benjamin Knaack hat die heute 76-jährige Canins getroffen. Sie sprach über männlichen Neid, unfaire Preisgelder und verschenkte Jahrzehnte. Canins war bereits Mutter und mehrfache italienische Meisterin im Skilanglauf, als sie mit 32 zum Radsport wechselte. 14 Jahre lang fuhr die als „fliegendes Mütterchen“ bekannt gewordene Athletin im Profi-Radsport vorne mit; mit 50 wurde sie Weltmeisterin im Wintertriathlon. Für Canins war das mehr als Sport: „Auch eine Mama kann erfolgreich Rad fahren – und nicht nur auf die Kinder aufpassen, Teller abwaschen und putzen.“
Ganztagsbetreuung: Rechtsanspruch für Grundschulkinder
Ab dem 1. August haben Erstklässler in Deutschland einen Rechtsanspruch auf bis zu acht Stunden Betreuung pro Tag. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird dieser Anspruch schrittweise bis zur vierten Klasse ausgeweitet. Die Bundesregierung erfüllt damit ein Versprechen aus dem Jahr 2021 an die coronageplagten Familien. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht im Ganztag „eine große Chance, um Kinder unabhängig vom Hintergrund ihrer Eltern zum Bildungserfolg zu führen“. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – „vor allem für Mütter“ – solle verbessert werden. Nach Zahlen des Ministeriums fehlen allerdings noch rund 150.000 Betreuungsplätze, vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Weitere Nachrichten: Trump, Hamas, Fifa und ein Ozempic-Restaurant
In den USA steht Trumps Wunschkandidat für das Justizministerium, Todd Blanche, vor dem Aus. Senatoren der eigenen Partei rebellieren; der Präsident erwägt, die Nominierung zurückzuziehen und auf Zeit zu spielen. Außerdem verkündete Trump eine Vereinbarung zur „vollständigen Entwaffnung“ der Hamas. Ein sogenannter Friedensrat soll ausgehandelt haben, dass die Hamas in Gaza ihre Waffen abgibt. Die Miliz selbst hat sich bislang nicht geäußert.
Im Fußball gibt es weiteren Widerstand gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino. Nach Boykottdrohungen der Uefa stellt sich nun auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf gegen die Pläne zum Teilverkauf der Fußball-Weltmeisterschaft. Und noch ein Thema: In Washington serviert ein Restaurant eine spezielle Speisekarte für Menschen, die die Abnehmspritze Ozempic nehmen. Sie verlieren den Appetit, aber nicht die Lust aufs Essengehen. SPIEGEL-Kollege Philipp Kollenbroich hat das Restaurant getestet.



