Die meisten Kreuzfahrtschiffe fahren nicht unter deutscher Flagge, sondern nutzen sogenannte Billigflaggen. Dies dient vor allem der Kostenersparnis, da das Servicepersonal an Bord nicht nach den strengen Regeln des Heimatlandes bezahlt und versichert werden muss. So sparen Reedereien Lohnkosten, Steuern, Sozialversicherung und Kündigungsschutz.
Rechtliche Grundlagen und Flaggenwahl
„Grundsätzlich unterliegen Kreuzfahrtschiffe den international gültigen Vorschriften, die von der IMO (International Maritime Organization) festgelegt werden“, erklärt Prof. Dr. Klaus Harald Holocher vom Fachbereich Seefahrt und Logistik der Jade Hochschule in Elsfleth (Niedersachsen). Zusätzlich gelten die Gesetze des Flaggenstaates. Reedereien können frei entscheiden, in welchem Land sie ihre Schiffe registrieren. „Bei der Wahl der Flagge werden primär folgende Aspekte berücksichtigt: Gebühren und Steuern des Flaggenstaates, arbeitsrechtliche Vorschriften und Arbeitsbedingungen sowie die Reputation der Flagge“, so Holocher.
Kreuzfahrtschiffe nutzen häufig sogenannte „Flags of Convenience“ oder Billigflaggen. Derzeit sind 48 Länder als Billigflaggenländer eingestuft, darunter die Bahamas, Panama und Malta.
Große Reedereien setzen auf Billigflaggen
Auch die beiden größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt, die Royal Caribbean Group und die Carnival Corporation, haben ihren Sitz in den USA, ihre Schiffe fahren aber unter der Flagge der Bahamas oder Panamas. Die deutsche Reederei Phoenix Reisen fährt mit ihren Schiffen MS Amadea, MS Artania und MS Amera unter der Flagge der Bahamas. Selbst die größten deutschen Reedereien Aida und TUI Cruises fahren nicht unter deutscher Flagge, obwohl sie ihren Sitz in Rostock und Hamburg haben.
Die Schiffe von TUI Cruises fahren unter maltesischer Flagge. Ein Grund laut Holocher: Unter maltesischer Flagge sind rechtsverbindliche Trauungen an Bord möglich. Dazu kommen steuerliche und logistische Vorteile. Aida Cruises ist eine Marke des italienischen Costa-Konzerns mit Sitz in Genua, der wiederum zur Carnival Corporation gehört. Deshalb fahren die Schiffe unter italienischer Flagge. Zwar ist die italienische Flagge keine Billigflagge – laut Holocher aber günstiger als die deutsche.
Arbeitsbedingungen und Mindestlohn
Der Mindestlohn und die Arbeitszeiten auf Kreuzfahrtschiffen richten sich nach dem MLC-Abkommen (Maritime Labour Convention), das die führenden Flaggenstaaten unterzeichnet haben. Für Seeleute liegt das Mindestgehalt dennoch deutlich unter dem deutschen Niveau.
Das letzte Schiff unter deutscher Flagge
Das letzte Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge war die „MS Deutschland“. Es diente lange als Drehort für die Fernsehserie „Traumschiff“ und war bis 2015 unter der ehemaligen Reederei Peter Deilmann in Deutschland registriert. Nach der Insolvenz der Reederei wurde es an ein US-Unternehmen verkauft.
Flaggen der großen Kreuzfahrtreedereien
- Aida Cruises: Italien, Heimathafen: Genua
- TUI Cruises: Malta, Heimathafen: Valletta
- Phoenix Reisen: Bahamas, Heimathafen: Nassau
- Costa Cruises: Italien, Heimathafen: Genua
- Disney Cruise Line: Bahamas, Heimathafen: Nassau
- Carnival Cruise Line: Bahamas und Panama, Heimathafen: Nassau bzw. Panama-Stadt
- MSC Cruises: Panama und Malta, Heimathafen: Panama-Stadt bzw. Valletta
- Royal Caribbean: Bahamas und Panama, Heimathafen: Nassau bzw. Panama-Stadt



