Rund ein Drittel der Haushalte, die bisher Wohngeld beziehen, sollen nach einer geplanten Reform künftig keine Leistungen mehr erhalten. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den das Bundesbauministerium vorgelegt hat. Besonders betroffen wären Alleinerziehende und Rentner.
Was die Reform vorsieht
Die Bundesregierung plant, das Wohngeld neu zu strukturieren. Statt wie bisher nach einem komplexen Berechnungsmodell sollen die Leistungen künftig pauschalierter vergeben werden. Das bedeutet: Viele Haushalte, die bisher knapp über der Einkommensgrenze lagen, würden komplett aus der Förderung fallen. Nach Schätzungen des Ministeriums wären das etwa 600.000 Haushalte bundesweit.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Einkommensgrenzen neu festgelegt werden. Während bisher das gesamte Haushaltseinkommen berücksichtigt wurde, sollen künftig nur noch bestimmte Einkommensarten zählen. Dadurch würden vor allem Haushalte mit geringem Nebeneinkommen aus der Förderung fallen. Auch die Berücksichtigung von Vermögen soll verschärft werden.
Kritik von Sozialverbänden
Sozialverbände üben scharfe Kritik an den Plänen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt, dass gerade diejenigen benachteiligt würden, die die Unterstützung am dringendsten bräuchten. „Die Reform trifft die Falschen“, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbands. „Alleinerziehende und Rentner mit kleinen Einkommen werden abgehängt.“
Auch der Deutsche Städtetag sieht Probleme. Viele Kommunen befürchten, dass die Betroffenen dann andere Sozialleistungen beantragen müssten, was zu Mehrbelastungen führen würde. Die Städte fordern daher eine Übergangsfrist und eine Härtefallregelung.
Wer genau betroffen ist
Nach Berechnungen des Bundesbauministeriums wären vor allem Haushalte mit einem Einkommen knapp über der neuen Grenze betroffen. Das sind häufig Alleinerziehende, die neben dem Wohngeld noch Unterhaltsvorschuss oder Kinderzuschlag erhalten. Auch Rentner, die eine kleine Rente und zusätzliche Einkünfte aus einer Minijob haben, würden die Leistung verlieren.
Besonders hart träfe es Haushalte in Großstädten mit hohen Mieten. Dort liegt das Wohngeld oft über 200 Euro pro Monat. Ein Wegfall würde viele Familien in finanzielle Not bringen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass etwa 300.000 Kinder in diesen Haushalten leben.
Reaktionen aus der Politik
Die Opposition kritisiert die Pläne scharf. Die Linke spricht von einer „sozialen Kürzungspolitik“ und fordert den Rückzug des Gesetzentwurfs. Die FDP hingegen begrüßt die Reform grundsätzlich, fordert aber Nachbesserungen. „Wir müssen das Wohngeld zielgenauer machen“, sagt FDP-Wohnungsexpertin Daniela Schmitt. „Aber wir dürfen niemanden zurücklassen.“
Aus dem Bundesbauministerium heißt es, die Reform sei notwendig, um das Wohngeld zukunftsfest zu machen. Man wolle die Leistung auf diejenigen konzentrieren, die sie wirklich brauchen. Gleichzeitig kündigte das Ministerium an, die Sätze für die verbleibenden Haushalte zu erhöhen.
Ausblick und Zeitplan
Der Gesetzentwurf soll im Herbst ins Kabinett eingebracht werden. Danach folgt das parlamentarische Verfahren. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Reform Anfang 2026 in Kraft treten. Betroffene Haushalte sollten sich frühzeitig beraten lassen, etwa bei den örtlichen Wohngeldstellen oder bei Sozialverbänden.



