AfD-Kandidat soll HJ-Lied bei völkischem Ritual gespielt haben
AfD-Kandidat: HJ-Lied bei völkischem Ritual?

Der AfD-Landtagskandidat Simon Lansmann in Sachsen-Anhalt steht im Zentrum eines Skandals: Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll er im Juni auf seinem Anwesen eine völkische Sommersonnenwendefeier veranstaltet haben, bei der ein Kampflied der Hitlerjugend (HJ) gespielt wurde. Die Polizei kontrollierte die Zufahrt zu dem als privat deklarierten Fest und stellte mehrere Gäste fest, die dem Umfeld der 2023 vom Bundesinnenministerium verbotenen Neonazigruppe „Artgemeinschaft“ zugerechnet werden.

Verbindungen zur verbotenen Artgemeinschaft

Laut Spiegel wurde bei dem Fest ein völkisches Ritual abgehalten, später erklang ein HJ-Kampflied. Die Veranstaltung beschäftigt inzwischen Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer. Aus Brandenburg soll ein AfD-Mann angereist sein, der früher als Mitglied der Artgemeinschaft geführt wurde, aus Nordrhein-Westfalen ein völkischer Aktivist, der wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Waffengesetz im Visier der Ermittler steht.

Der Rechtsextremismusforscher Gideon Botsch von der Universität Potsdam sagte dem Magazin: „Das Treffen legt den Verdacht nahe, dass die verbotene Artgemeinschaft weitergeführt wird.“ Die Anhänger der Gruppe sehen sich als Hüter einer germanischen Rasse, haben „Sittengesetze“ und fordern „gleichgeartete Gattenwahl“ als „Gewähr für gleichgeartete Kinder“.

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AfD-Kandidat bestreitet Vorwürfe

Der AfD-Kandidat Lansmann bestätigte dem Spiegel das Fest, bestritt aber, dass es sich um ein illegales Treffen handelte. Über einen Anwalt ließ er mitteilen, es sei zwar „nicht auszuschließen“, dass an jenem Abend ein HJ-Lied gesungen wurde. Dies sei jedoch nicht Teil eines „organisierten Programms“ gewesen. Lansmann distanziere sich von der Ideologie der Artgemeinschaft und von „nationalsozialistischem Liedgut“. Auf seinem Anwesen habe keine Fortführung einer verbotenen Organisation stattgefunden, er sei auch nicht an einer solchen beteiligt.

Partnerin auf Mitgliederliste

Nach Recherchen des Magazins stand auch Lansmanns Partnerin einst auf einer Mitgliederliste der Artgemeinschaft. Auf Nachfrage teilte sie über einen Anwalt mit, diese sei „für ihr heutiges Leben ohne Bedeutung“, einer Nachfolgeorganisation gehöre sie nicht an. Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt laut Umfragen bei über 40 Prozent und Lansmann gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Landtag.

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