Am Montagabend eskalierte die Situation bei einer queeren Gedenkveranstaltung in Potsdam. Der rechtsextreme Streamer Björn Winter, bekannt unter seinem Alias „Björn Banane“, beleidigte die Teilnehmer der Solidaritätskundgebung als „Regenbogenfaschisten“. Die Veranstaltung auf dem Platz vor der Nikolaikirche war den Opfern des islamistischen Terroranschlags auf den Berliner Christopher Street Day am vergangenen Samstag gewidmet. Hunderte Trauernde hatten sich versammelt, um ihrer Erschütterung Ausdruck zu verleihen.
Streamer provoziert und wird von Polizei ermahnt
Winter streamte die Versammlung live über YouTube. Bereits nach wenigen Minuten forderte ihn die Polizei auf, mit Abstand zu filmen. „Ich habe nicht vor, hier Stunk zu machen“, sagte Winter zu einem Polizisten. Diese Aussage erwies sich jedoch als haltlos. Zunächst versuchte der Streamer, mit Teilnehmern ins Gespräch zu kommen – die meisten lehnten dies ab. Dieses Verhalten überrascht kaum: Winter hatte bereits vor zwei Jahren versucht, eine Regenbogenflagge auf einer rechtsextremen Demonstration in Dresden anzuzünden und bespuckt. Erst Anfang Juli bezeichnete er eine Regenbogenflagge vor einem Berliner Bezirksrathaus als „absolute Katastrophe“ und empfahl Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren, den Besuch eines Psychiaters.
Eskalation und gegenseitige Beschimpfungen
Die Stimmung kippte, als die Teilnehmer auf Winters Provokation mit „Nazis raus!“-Rufen reagierten. Daraufhin schrie der Streamer: „Wo wart ihr denn in Stade? Ihr Regenbogenfaschisten!“ Ein Begleiter Winters beleidigte die Polizisten, die ihn auf Abstand hielten, mit den Worten: „Vor 90 Jahren weiß ich ganz genau, wo ihr gestanden hättet.“ Die Behörden hatten bereits im Juli 2024 nach dem Flaggenvorfall in Dresden wegen Volksverhetzung ermittelt.
Minister Wilke stellt Streamer zur Rede
Nach den Reden sprach Winter den Brandenburger Sozialminister René Wilke (SPD) an, der ebenfalls an der Kundgebung teilgenommen hatte. Wilke sagte zu Winter laut Tagesspiegel: „Hier sind Menschen, die haben etwas erlebt und für sich durchlitten, und die wollen das hier gemeinsam verarbeiten.“ Der ehemalige Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) beklagte zudem Winters Eigenart, sich als „Opfer zu inszenieren“. Wilke fügte hinzu: „Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand müssen Sie sehen, dass die Art und Weise, wie Sie hier auftreten, von Menschen als Provokation aufgenommen werden kann.“ Anschließend beendete er das Gespräch. Winter wunderte sich in einem folgenden Monolog darüber, dass er als Provokation wahrgenommen werde, da er „neutral“ vor Ort sei.
Hintergrund des Streamers
Björn Winter ist seit der Corona-Zeit als rechter Streamer bekannt und berichtet regelmäßig live von Demonstrationen. Er ist Mitarbeiter mehrerer AfD-Funktionäre und trat selbst bei einer Kommunalwahl für die Partei an. Der Vorfall in Potsdam zeigt erneut, wie rechtsextreme Akteure versuchen, Trauer- und Gedenkveranstaltungen für ihre Provokationen zu nutzen. Die Polizei war mit mehreren Einsatzkräften vor Ort, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.



