Beim AfD-Bundesparteitag in Erfurt hat sich die Partei erstaunlich effizient und geschlossen präsentiert – ein Kontrast zu früheren turbulenten Versammlungen. Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke gab früh den Ton an, während Co-Vorsitzende Alice Weidel aus dem Machtkampf mit Tino Chrupalla als klare Siegerin hervorging.
Höcke heizt die Stimmung an
Pünktlich um 10.53 Uhr betrat Björn Höcke das Rednerpult, begleitet von Deutschlandflaggen und Jubel der Delegierten. Der Rechtsaußen-Vertreter wetterte gegen beschädigte Autobahnen, angebliche Zensur und forderte drakonische Strafen für Pädophilie. „Wir dürfen nicht zur Minderheit im eigenen Land werden“, rief er unter lautem Applaus. Damit war die Stimmung für den Tag gesetzt – trotz befürchteter Blockaden und Gegendemos verlief der Parteitag reibungslos.
Weidel räumt Konflikte aus dem Weg
Noch vor Beginn des offiziellen Programms entschärfte Alice Weidel einen potenziellen Streit: Höcke hatte ohne Absprache einen Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste eingebracht. Weidel bezeichnete das Anliegen als berechtigt, versprach eine Überarbeitung innerhalb eines Jahres und bat um Rückzug des Antrags – was auch geschah. Damit war ein wesentlicher Konfliktpunkt zwischen den Parteispitzen entschärft.
Rechenschaftsbericht und Imagefilm: Weidel im Fokus
In ihrem Rechenschaftsbericht nutzte Weidel die Bühne zur Generalabrechnung mit der Regierungspolitik: „Die CDU macht Politik gegen die Deutschen.“ Ein Imagefilm über die Arbeit des Bundesvorstandes zeigte überwiegend Bilder von Weidel, weniger von Chrupalla – ein Indiz für die Machtverteilung in der Partei. Während der Finanzbericht (45 Millionen Euro Parteivermögen nach Neubewertung der Edelmetalle) verlesen wurde, stärkten sich die Delegierten draußen mit Riesenbockwürsten und Thüringer Bratwürsten.
Wiederwahl: Weidel klar vor Chrupalla
Der Höhepunkt des Parteitages war die Neuwahl des Bundesvorstandes. Chrupalla betonte in seiner Rede die gute Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und sprach von Brückenbauen – allerdings nur mit verhaltenem Applaus. Weidel hingegen trat energisch auf, beklagte Deindustrialisierung, Bürokratie und Migration: „Wir werden rigoros abschieben.“ Die Delegierten applaudierten länger, jubelten und schwenkten Flaggen. Das Ergebnis spiegelte die Stimmung: Chrupalla erhielt 70,05 Prozent der Stimmen, Weidel 81,31 Prozent. Vor zwei Jahren hatte noch Chrupalla vorne gelegen.
Stellvertreterwahlen: Rechtsaußen rücken auf
Bei den Wahlen der stellvertretenden Vorsitzenden setzte sich der Weidel-Vertraute Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen mit knappen 50,7 Prozent gegen den bisherigen Amtsinhaber Kay Gottschalk durch. Zudem wurden die Höcke-Vertrauten Stefan Möller und Katrin Ebner-Steiner aus Bayern gewählt. Während der Wahl ertönte aus verschiedenen Ecken der Halle der „Imperial March“ aus Star Wars – Techniker fanden später Bluetooth-Boxen hinter der Seitenverkleidung, die Urheber blieben unklar.
Bundesschatzmeister und Schriftführer: Rechtsaußen erfolgreich
Zum Bundesschatzmeister wurde der Brandenburger Hannes Gnauck gewählt, ebenfalls dem Rechtsaußen-Lager zugehörig. Stellvertreter blieb Alexander Jungbluth. Als Schriftführer wurde Weidel-Mann Dennis Hohloch mit rund 82 Prozent wiedergewählt. Er hatte sich mit Sätzen beworben wie „Wir wollen kein Multikulti“ und „Wir lassen es nicht zu, dass unsere Gesellschaft transformiert wird.“
Fazit: AfD rückt weiter nach rechts
Mit der neuen Besetzung des Bundesvorstandes hat die AfD einen weiteren Schritt nach rechts gemacht. Die Einigkeit und Effizienz des Parteitages überraschte viele Beobachter, die mit chaotischen Szenen gerechnet hatten. Stattdessen zeigte sich die Partei geschlossen und zielstrebig – ein Signal für die kommenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.



