Ein Foto aus dem Jahr 2020 bringt den sachsen-anhaltischen AfD-Landesvorsitzenden Martin Reichardt in Bedrängnis. Auf dem Bild ist zu sehen, wie Reichardt den linken Arm durchgestreckt nach oben hält. Nach einem Bericht des Politico-Podcasts „Inside AfD“ soll es sich dabei um einen Hitlergruß gehandelt haben. Zwei Augenzeugen hätten dies bestätigt. Die AfD bestreitet die Darstellung vehement und spricht von einer „Schmutzkampagne“.
Vorwurf im Bundestag: Zwischenfrage während Aktueller Stunde
Der Vorfall ereignete sich während einer Aktuellen Stunde im Bundestag, in der Reichardt eigentlich die Linke für ihre Faschismus-Aussagen kritisieren wollte. Stattdessen geriet er durch eine Zwischenfrage selbst in die Kritik. Der CDU-Abgeordnete Hendrik Hoppenstedt hakte nach: „Wenn das kein Hitlergruß ist, was ist denn dann ein Hitlergruß?“ Reichardt wies die Unterstellung empört zurück: „Dieses Foto stellt keinen Hitlergruß dar. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo einen Hitlergruß gezeigt. Das ist ein Fakt.“ Er sprach von einer „pöbelhaften Unverschämtheit“.
Reaktionen von Union, SPD und Grünen
Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, forderte Reichardt auf, sein Bundestagsmandat niederzulegen, falls das Foto echt sei. Auch SPD-Politiker Helge Lindh kritisierte Reichardt scharf: Seine „Nicht-Erklärung“ zu dem Bild sei eine „Peinlichkeit und Schande für das Parlament“. Die Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, verlangte den Rücktritt Reichardts von allen Ämtern: „Ein Hitlergruß ist kein Ausrutscher und kein schlechter Scherz. Wer sich als Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter derart verhält, ist für politische Ämter in Deutschland untragbar.“
AfD Sachsen-Anhalt: Geste war ein „angedeuteter Ritterschlag“
Ein Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt erklärte gegenüber der dpa, die fragliche Geste sei kein Hitlergruß, sondern ein „angedeuteter Ritterschlag“ gewesen. Welche Worte in der fast sechs Jahre zurückliegenden Situation gewechselt worden seien, sei keiner der Personen mehr erinnerlich. Auch auf der Plattform X schrieb die AfD Sachsen-Anhalt von einem „Ritterschlag“ und nannte die Vorwürfe eine „Schmutzkampagne“.
Linke und Grüne: „Strafbar und unerträglich“
Die sachsen-anhaltische Linkenpolitikerin Eva von Angern zeigte sich entsetzt: „Dieser Gruß ist in Deutschland strafbar und steht wie kaum ein anderes Symbol für die Verbrechen des Nationalsozialismus, für Menschenverachtung, Antisemitismus und die Zerstörung der Demokratie. Wer den Hitlergruß zeigt, verhöhnt die Opfer des NS-Regimes und beschädigt die Demokratie.“ Das Oberlandesgericht Hamm hatte bereits 2024 klargestellt, dass der Hitlergruß auch mit dem linken Arm strafbar ist und eine verbotene nationalsozialistische Grußform darstellt.
Reichardt will erneut für Landesvorsitz kandidieren
Die AfD Sachsen-Anhalt plant im Juli einen Landesparteitag, bei dem auch der Landesvorstand neu gewählt wird. Reichardt ist seit 2018 Landesvorsitzender und will erneut für das Amt kandidieren. Die AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Der Druck auf Reichardt wächst – ob die Rücktrittsforderungen Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten.



