Magdeburg – Wer als Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antritt, muss einiges aushalten: kritische Fragen zum Programm, zur Vita, zum Lebenslauf. Und manchmal reicht schon eine ganz einfache Frage: Wo haben Sie eigentlich studiert?
Bei Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (35) führt genau diese Frage derzeit ins Leere. In seiner offiziellen Biografie steht seit Jahren derselbe knappe Satz: Studium der Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre von 2013 bis 2016, Abschluss: Bachelor of Arts. Das klingt eindeutig – doch was fehlt, ist mindestens genauso bemerkenswert: keine Hochschule, kein Studienort, keine Fakultät, keine Bachelorarbeit.
Das Hochschul-Geheimnis des Spitzenkandidaten
Normalerweise gehört der Name der Hochschule zu den selbstverständlichsten Angaben in einer Politikerbiografie. CDU, SPD, Grüne, FDP – wer studiert hat, nennt in der Regel auch die Universität oder Fachhochschule. Nicht so Ulrich Siegmund. Weder auf der Internetseite des Landtags von Sachsen-Anhalt noch auf den Seiten seiner Fraktion oder seiner Kampagne findet sich ein Hinweis darauf, wo der Bachelor erworben wurde. Dabei wäre die Antwort denkbar kurz.
Auf der Plattform „Abgeordnetenwatch“ fragte eine Bürgerin vergangene Woche: „An welcher Hochschule haben Sie studiert? Wie heißt der Titel Ihrer Bachelorarbeit?“ Eine einfache Frage – bislang ohne Antwort. Dabei beantwortet der AfD-Politiker auf der Plattform grundsätzlich Fragen, zumindest einen kleinen Teil davon. Gerade weil die Hochschule nirgendwo genannt wird, wird inzwischen im Internet gerätselt. Einzelne Nutzer vermuten eine private Fernhochschule als Ausbildungsstätte. Doch fest steht lediglich: Siegmund selbst nennt bis heute keine Hochschule.
Transparenz? Fehlanzeige!
Natürlich gibt es keine Pflicht, den Namen einer Hochschule öffentlich zu machen. Allerdings: Wer mit einem akademischen Abschluss wirbt und Spitzenkandidat einer Regierungspartei sein will, muss sich kaum wundern, wenn Nachfragen kommen. Zumal sich die Sache mit einem einzigen Satz erledigen ließe: „Ich habe meinen Bachelor an der Hochschule XY erworben.“
Stattdessen herrscht bei Siegmund Schweigen. Eine schriftliche Anfrage von BILD ließ der AfD-Politiker bis dato unbeantwortet. Und so bleibt ausgerechnet eine der selbstverständlichsten Angaben eines Lebenslaufs die größte Leerstelle. Bachelor? Ja. Wo erworben? Bis heute unbekannt.
Die Affäre wirft ein Schlaglicht auf die Frage nach Transparenz in der Politik. Gerade bei einem Spitzenkandidaten, der Ministerpräsident werden will, erwarten Wählerinnen und Wähler klare Antworten. Dass Siegmund die Frage nach seiner Alma Mater ignoriert, nährt Spekulationen und schadet dem Vertrauen in seine Person.
Bislang hat sich auch die AfD-Fraktion im Landtag nicht zu der Angelegenheit geäußert. Die Bürgerin, die die Frage auf Abgeordnetenwatch stellte, wartet weiterhin auf eine Reaktion. Ob Siegmund die Gelegenheit nutzt, sein Hochschul-Geheimnis zu lüften, bleibt abzuwarten.



