Ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Gruppen und politischen Gegnern versucht mit Protesten und Blockaden den Bundesparteitag der rechtsextremen AfD in Erfurt zu verhindern. Der Leitartikel von Ralf Neukirch im SPIEGEL (Ausgabe 28/2026) bezeichnet dieses Vorgehen als falsch und demokratieschädigend. „Wer Parteitage blockiert, schädigt die Demokratie“, schreibt Neukirch. Die Demonstrationen gegen die AfD seien zwar legitim, aber die Verhinderung einer legalen Parteiveranstaltung untergrabe die Grundlagen des demokratischen Rechtsstaats.
Proteste in Erfurt und Essen
In den vergangenen Tagen fanden in mehreren Städten, darunter Essen und Erfurt, große Anti-AfD-Demonstrationen statt. In Essen versammelten sich Tausende Menschen, um gegen die rechtsextreme Politik der AfD zu protestieren. Ein Foto von Maximilian Mann zeigt eine Kundgebung mit Transparenten und Sprechchören. Die Proteste richten sich gegen die geplante Durchführung des AfD-Bundesparteitags in Erfurt, der für Anfang Juli angesetzt ist. Die Organisatoren der Proteste argumentieren, dass die AfD eine Gefahr für die Demokratie darstelle und daher kein Recht auf öffentliche Versammlungen habe.
Recht auf politische Betätigung
Neukirch betont in seinem Leitartikel, dass auch extremistische Parteien das Grundrecht auf politische Betätigung genießen, solange sie nicht verboten sind. „Die AfD ist nicht verboten, also darf sie Parteitage abhalten“, stellt er klar. Eine Blockade oder Verhinderung dieser Veranstaltungen sei ein Angriff auf die Versammlungsfreiheit und die Gleichheit der politischen Parteien. Er warnt davor, dass solche Aktionen den Boden für eine weitere Radikalisierung bereiten könnten. „Morgen in der Diktatur?“, fragt er ironisch mit Blick auf die Demonstranten.
Demokratische Spielregeln
Der Autor ruft dazu auf, die demokratischen Spielregeln zu respektieren. Auch wenn die AfD rechtsextreme Positionen vertrete, müsse sie ihre Politik innerhalb des Rechtsrahmens ausüben können. Die beste Antwort auf die AfD sei nicht die Blockade, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung und die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft. „Wer die Demokratie verteidigen will, muss sie auch aushalten“, schreibt Neukirch. Die Proteste sollten friedlich und innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleiben, um nicht selbst autoritäre Methoden zu übernehmen.
Reaktionen und Ausblick
Die geplanten Blockaden stoßen auf gemischte Reaktionen. Während viele Bürger die Proteste unterstützen, kritisieren Politiker anderer Parteien die Aktionen als undemokratisch. Die AfD selbst hat angekündigt, den Parteitag trotz der Proteste durchführen zu wollen. Die Polizei in Erfurt bereitet sich auf einen Großeinsatz vor, um die Versammlungsfreiheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Der Leitartikel von Neukirch hat eine Debatte über die Grenzen des Protests ausgelöst. Er appelliert an die Demonstranten, ihre Ziele mit demokratischen Mitteln zu verfolgen, um nicht die Glaubwürdigkeit der Demokratie zu untergraben.



