Bonhoeffer-Großneffe entfernt AfD-Kranz bei Gedenkfeier im Bendlerblock
Bonhoeffer-Großneffe entfernt AfD-Kranz bei Gedenkfeier

Bei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats am 20. Juli 1944 ist es im Berliner Bendlerblock zu einem Handgemenge gekommen. Tobias Korenke, Großneffe des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, versuchte, einen Kranz der AfD-Bundestagsfraktion zu entfernen. Der Vorfall ereignete sich am Montag, dem 20. Juli 2026, in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Korenke: „Unerträglicher Vorgang“

Korenke, bis 2025 Kommunikationschef der Funke Mediengruppe, sagte im Gespräch mit dieser Redaktion, er habe den Kranz der AfD an sich genommen, um ihn „zu entsorgen“. Daraufhin seien Sicherheitsmitarbeiter eingeschritten. Sie seien aggressiv aufgetreten und hätten ihn an die Wand gedrückt, berichtete der 61-Jährige. Eine weitere Nachfahrin eines Widerstandskämpfers, Gemma Pörzgen, sei ihm zu Hilfe gekommen und habe den Kranz schließlich an sich genommen. Er sei dann „im hohen Bogen im nahen Landwehrkanal gelandet“, so Korenke.

Hintergrund: Bonhoeffer und der 20. Juli

Dietrich Bonhoeffer, der Großonkel von Tobias Korenke, wurde 1945, kurz vor Kriegsende, auf Befehl Adolf Hitlers im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Er gehörte zum intellektuellen Umfeld der Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 vergeblich versucht hatten, Hitler mit einer Bombe zu töten. Stauffenberg und drei weitere Beteiligte wurden noch am Abend im Hof des Bendlerblocks erschossen.

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Reaktionen und Konsequenzen

Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte, dass diese einen Kranz für die Gedenkstunde bereitgestellt hatte. Ob auch Fraktionsmitglieder anwesend gewesen seien, könne er nicht abschließend sagen. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Fraktion, Götz Frömming, sagte, die Fraktion werde zu diesen offiziellen Gedenkfeiern als im Bundestag vertretene Partei eingeladen. Nach der Aktion sei gegen Korenke zunächst Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt worden, diese sei aber kurz darauf zurückgenommen worden, so Korenke.

Korenke: „Nicht das erste Mal“

Korenke, der Kuratoriumsmitglied der „Stiftung 20. Juli 1944“ ist, betonte, die Aktion sei nicht geplant gewesen, sondern er habe spontan gehandelt. Es war nicht das erste Mal, dass er bei einer Gedenkfeier zum 20. Juli einen AfD-Kranz nicht akzeptieren wollte. Im vergangenen Jahr sei es ihm bei der Feier in Plötzensee gelungen, das Gebinde ohne viel Aufsehen wegzuschaffen. „Viele Nachkommen, und dazu gehöre auch ich, empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD Kränze ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren“, sagte Korenke der dpa.

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