Bonhoeffer-Nachfahre: AfD-Kranz bei Gedenkfeier „gehört hier nicht hin“
Bonhoeffer-Nachfahre: AfD-Kranz „gehört hier nicht hin“

Ein Handgemenge, ein Schimpfwort, am Ende der Rauswurf: Tobias Korenke hat mit seinem Protest gegen die AfD bei einer Gedenkfeier für Wirbel gesorgt. Der Nachfahre von NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer erklärt im Interview, was ihn antreibt und warum er den Kranz der Partei für unpassend hielt.

Der Vorfall im Bendlerblock

Am 20. Juli 2026, dem Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler, fand im Berliner Bendlerblock die zentrale Gedenkfeier statt. Dort legte auch eine Delegation der AfD einen Kranz nieder. Tobias Korenke, ein entfernter Verwandter des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, sah den Kranz und reagierte spontan. „Ich habe den Kranz gesehen und gedacht: Der ist falsch, der gehört hier nicht hin“, sagte Korenke im Gespräch mit dem SPIEGEL. Er versuchte, den Kranz zu entfernen, was zu einem Handgemenge mit Sicherheitskräften führte. Dabei fiel ein Schimpfwort, und Korenke wurde schließlich des Geländes verwiesen.

Motivation des Protestierenden

Korenke, der sich selbst als „politisch engagiert“ bezeichnet, sieht in der Teilnahme der AfD an der Gedenkfeier eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus. „Die AfD ist eine Partei, die in Teilen rechtsextrem ist und die Erinnerungskultur angreift. Dass sie dort einen Kranz niederlegt, ist eine Provokation und eine Missachtung der Geschichte“, erklärte er. Er betonte, dass sein Protest nicht geplant gewesen sei, sondern aus einer spontanen Empörung heraus entstanden. „Ich bin kein Aktivist, der solche Aktionen plant. Es war ein emotionaler Moment, in dem ich einfach handeln musste.“

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Reaktionen auf den Vorfall

Der Vorfall sorgte für geteilte Reaktionen. Während einige Korenkes Aktion als mutigen Akt des zivilen Ungehorsams lobten, kritisierten andere die Störung einer Gedenkfeier. Die AfD selbst bezeichnete den Protest als „respektlos“ und sprach von einer „Einschränkung der Meinungsfreiheit“. Ein Sprecher der Gedenkstätte Deutscher Widerstand betonte hingegen, dass man grundsätzlich alle demokratischen Parteien zur Kranzniederlegung einlade, aber „jede Form von Störung nicht toleriert“ werde. Korenke selbst zeigte sich unbeeindruckt von der Kritik. „Ich bereue nichts. Die AfD hat bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus nichts verloren“, sagte er.

Historische Einordnung

Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde, gilt als eine der zentralen Figuren des Widerstands gegen das NS-Regime. Sein Nachfahre Tobias Korenke sieht in der aktuellen politischen Lage Parallelen. „Wir müssen wachsam sein, wenn rechtsextreme Kräfte an Einfluss gewinnen. Die Geschichte lehrt uns, dass wir nicht schweigen dürfen“, mahnte er. Der Protest im Bendlerblock sei ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an den Widerstand lebendig bleiben müsse.

Ausblick

Ob Korenke mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung. Korenke kündigte an, sich gegen die Vorwürfe zu wehren. „Ich habe niemanden verletzt. Ich habe nur einen Kranz weggenommen, der dort nicht hingehört“, so Korenke. Der Fall zeigt, wie emotional die Debatte um den Umgang mit der AfD in der Erinnerungskultur geführt wird.

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