DFB-Neuanfang: Kimmich muss Platz für neue Generation machen
DFB-Neuanfang: Kimmich muss Platz machen

Nach dem erneuten Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft fordert ein Kommentator des Tagesspiegels einen radikalen Neuanfang – und richtet den Blick dabei auf Kapitän Joshua Kimmich. „Solange Kimmich bleibt, ist kein Platz für neue Führungsfiguren“, schreibt David Kirchner in seinem Kommentar. Die Tage von Bundestrainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler seien gezählt, doch ein echter Neuanfang erfordere Veränderungen auf allen Ebenen, auch im Spielerkader.

Kimmich als Symbol einer gescheiterten Generation

Mats Hummels, Weltmeister von 2014, hatte nach der Niederlage gegen Paraguay im Sechzehntelfinale richtigerweise die Nachfolgegeneration kritisiert. Er erwarte, dass einige Spieler um die 30 selbst zurücktreten oder vom nächsten Bundestrainer nicht mehr nominiert werden. Gemeint waren damit Leroy Sané, Leon Goretzka und vor allem Joshua Kimmich. Alle drei sollten die Nationalmannschaft nach dem WM-Titel 2014 weiterführen, doch mehr als zehn Jahre später ist klar: Sie sind gescheitert. Nun sollten sie Platz machen für die nächste Generation, allen voran Kimmich als Kapitän.

Die deutsche Nationalmannschaft ist zum dritten Mal in Folge bei einer WM nicht unter die besten 16 Mannschaften gekommen. Sportlich konnte Kimmich selten überzeugen. Als legitimer Erbe von Philipp Lahm spielte er meist als Rechtsverteidiger, gab aber bis auf die EM 2024 dort nur selten eine gute Figur ab. In Erinnerung bleibt weniger, wie er den Spielaufbau von rechts hinten mitgestaltete, sondern vielmehr, wie er immer wieder von flinkeren Offensivspielern düpiert wurde.

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Warum Kimmich im DFB-Team nie auf seiner Wunschposition spielte

Kimmich hätte lieber im defensiven Mittelfeld gespielt, auf seiner Stammposition beim FC Bayern München, auf der er alles gewonnen hat. Doch weder Nagelsmann, noch Hansi Flick oder Jogi Löw stellten ihn dort im DFB-Team auf. Vielleicht, weil auf der Rechtsverteidigerposition größerer Bedarf herrschte, vielleicht aber auch, weil es im Zentrum immer einen Besseren gab: Toni Kroos oder İlkay Gündoğan, zwei Weltklassespieler. Dass Kimmich dieses Prädikat ebenfalls verdient, hat er in der Nationalmannschaft zu selten gezeigt.

Unter Kimmich hat sich die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen zehn Jahren zur Zweitklassigkeit entwickelt. Solange er dabei ist, ob als Kapitän oder nicht, werde das so bleiben und der nötige Neuanfang verlangsamt oder aufgeschoben. Dieses Phänomen zeigte sich bereits bei der Weltmeister-Generation: Zu lange wurde an Spielern wie Sami Khedira oder Mats Hummels festgehalten. Auch die Rückholaktion von Thomas Müller zur EM 2021 und die von Manuel Neuer bei dieser WM brachten nicht den erhofften Erfolg.

Neue Führungsfiguren um Wirtz und Musiala nötig

Es braucht Platz, damit sich neue Leader selbst ernennen und finden können. Möchte die Nationalelf irgendwann wieder zur Weltklasse gehören, muss alles auf die beiden Spieler ausgerichtet werden, die bereits gezeigt haben, dass sie Potenzial für Weltklasse haben: Florian Wirtz und Jamal Musiala. Es braucht ein neues System und neue Hierarchien. Das zu bestimmen, ist Aufgabe des aktuellen oder neuen Bundestrainers. Aber das kann nur klappen, wenn Kimmich den Weg freimacht für einen richtigen Neuanfang.

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