Ein bislang unveröffentlichtes Foto bringt den AfD-Landeschef von Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, massiv unter Druck. Das Bild, das am 7. Juni 2020 auf einem Privatgrundstück entstanden sein soll, zeigt Reichardt mit schräg nach oben gestrecktem Arm. Vor ihm kniet der Arzt und spätere AfD-Landtagskandidat Markus Motschmann. Zwei Zeugen werteten die Geste gegenüber dem Politico-Podcast „Inside AfD“ als Hitlergruß. Der Podcast gehört wie BILD zu Axel Springer.
Reichardt bestätigt Echtheit, bestreitet Vorwurf
Reichardt bestätigte die Echtheit des Fotos, wies den Vorwurf des Nazi-Grußes jedoch zurück. Er erklärte, es habe sich „nicht um einen Hitlergruß“ gehandelt, sondern um einen „humoresken Ritterschlag“ für Motschmann, der zu diesem Zeitpunkt seinen AfD-Mitgliedsantrag übergeben habe. Die Aufnahme des Rechtsaußen-Politikers sei jedoch vom damaligen Parteivorstand Jörg Meuthen zweimal verhindert worden – was von den Ultrarechten in der Partei als Kompliment verstanden worden sei.
Zweifel an zeitlichem Ablauf
Laut „Inside AfD“ gerät diese Darstellung jedoch durch den zeitlichen Ablauf ins Wanken. Das Foto sei am Tag von Motschmanns Antragstellung entstanden. Die von Reichardt erwähnten Ablehnungen von Motschmanns Aufnahmeanträgen erfolgten laut vorliegenden Unterlagen erst Monate später. Dies stellt Reichardts Version infrage.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) reagierte empört: „Ein Hitlergruß ist ein Bekenntnis, kein Ausrutscher. Wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren.“
Weitere Vorwürfe: „Mein Führer“ und zweiter Fall
Darüber hinaus wollen Zeugen gehört haben, dass Motschmann Reichardt als „Mein Führer“ angesprochen habe. Motschmann bestätigte die Echtheit des Fotos, bestreitet aber diese Ansprache. Die Szene sei „total lustig gemeint“ gewesen, ein „reiner Joke“.
Reichardts Name taucht zudem in einem weiteren Verfahren auf. Gegen seinen AfD-Fraktionskollegen Matthias Moosdorf läuft ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei einer Begrüßung Reichardts im Bundestag einen Hitlergruß gezeigt zu haben. Der Fall soll vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden.
Der Skandal belastet die AfD in Sachsen-Anhalt rund zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl erheblich. Die Partei steht bereits wegen ihrer rechtsnationalen Ausrichtung in der Kritik.



