Gerhard Hoffmann, der Gründer des Lesbisch-schwulen Stadtfestes in Berlin, hat sich deutlich gegen die AfD positioniert. „Die AfD hat bei ihrem jüngsten Parteitag bewiesen, dass sie eine neofaschistische Partei ist“, sagte der 80-Jährige im Interview. „Ich fordere bei meinen öffentlichen Auftritten immer ein Verbot der AfD.“ Hoffmann betonte, die AfD habe der queeren Community den Kampf angesagt, „weil wir die Welt verschönern. Bunte Vielfalt passt nämlich nicht in ihr tiefbraunes Weltbild.“
Unterstützung von Heterosexuellen und Konservativen
Trotz der politischen Bedrohung sieht Hoffmann auch Fortschritte. „Es gibt zum Glück viele heterosexuelle Menschen, die sich für unsere Rechte einsetzen oder sie für selbstverständlich erachten. Ohne sie wäre unsere Bewegung nicht so gut vorangekommen.“ Als Beispiel nannte er die Schöneberger CDU, die das Stadtfest seit jeher unterstützt habe.
Hoffmann eröffnete 1977 mit dem „Anderen Ufer“ das erste offen schwul-lesbische Café in West-Berlin. „Es war das erste offen schwul-lesbische Kaffeehaus in Europa – mit Bar und Galerie“, erinnerte er sich. Die monatlichen Ausstellungen mit internationalen Künstlern seien sensationell gewesen. Zu den Stammgästen zählten unter anderem Marianne Rosenberg, David Bowie, der Künstler Salomé, Rio Reiser und der Philosoph Michel Foucault.
Regenbogenfahne am Schöneberger Rathaus
1996 wurde auf Initiative des LSVD die Regenbogenfahne erstmals am Schöneberger Rathaus gehisst. Hoffmanns Verein Regenbogenfonds e.V. stellte die Fahnen zur Verfügung. „Als Elisabeth Ziemer dann zum Flaggenhissen aus dem Rathaus kam, hat es zwischen uns gefunkt. Seitdem hissen wir jedes Jahr anlässlich des Lesbisch-schwulen Stadtfestes die Regenbogenflaggen.“
Zur heutigen queeren Bewegung sagte Hoffmann: „Die Vereine müssen Lobby-Arbeit machen, da der queeren Welt ständig die Mittel gekürzt werden. Wie zum Beispiel der Berliner Aids-Hilfe, die auch Migrant*innen besonders unterstützt.“
Kritik am CSD und der „Ehe für alle“
Die Kritik, der CSD sei zu kommerziell, wies Hoffmann entschieden zurück: „Das finde ich äußerst dumm. Da sind Initiativen dabei, die das ganze Jahr für die Community arbeiten. Außerdem senden alle Teilnehmenden eine politische Botschaft. Und natürlich muss der CSD finanziert werden.“
Ähnlich äußerte er sich zur „Ehe für alle“, die seinerzeit von manchen Lesben und Schwulen als spießig kritisiert wurde. „Ich trete für gleiche Rechte für alle ein. Die Menschen sollen entscheiden können, ob sie spießig werden und heiraten oder progressiv bleiben und nicht heiraten.“
Das Lesbisch-schwule Stadtfest als Symbol
Das von Hoffmann vor über 30 Jahren mitbegründete Lesbisch-schwule Stadtfest in Schöneberg findet an diesem Wochenende statt. Er bezeichnete es als „das größte queere Event seiner Art in Europa und zugleich das größte Antigewaltprojekt Europas mit über einer halben Million Besucher:innen“. Es sei ein „Symbol gegen Diskriminierung und Hass und ein Manifest für sexuelle Vielfalt und gleiche Rechte“. Zugleich sei es ein Schaufenster der queeren Community Berlins, „ein Fest der Vielfalt, ein Fest der Familie und ein Fest der Liebe“.
Auf die Frage, ob er auf dem Fest seinen Geburtstag nachfeiern werde, antwortete Hoffmann: „Auf keinen Fall.“ Er freue sich auf eines der schönsten Feste der Welt und auf die vielen Gäste aus dem In- und Ausland. „Und ich hoffe, dass das Stadtfest wie immer eine Oase des Friedens und der Verständigung bleibt.“



