Jens Spahn, eine der prägendsten Figuren der CDU der letzten Jahrzehnte, hat im Juli 2026 seinen Rücktritt als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag erklärt. Der Schritt erfolgte nach wochenlangen Diskussionen über seine Entscheidung, gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke eine Leihmutter in den USA in Anspruch genommen zu haben, um seinen Sohn Georg zu bekommen. Der Fall offenbarte tiefe Risse in der Union und beendete vorläufig die politische Karriere eines Mannes, der einst als Hoffnungsträger der Partei galt.
Frühe Jahre und Aufstieg in der CDU
Jens Georg Spahn wurde am 16. Mai 1980 in Ahaus in Nordrhein-Westfalen geboren. Bereits mit 15 Jahren trat er 1995 in die Junge Union ein, zwei Jahre später folgte die Mitgliedschaft in der CDU. Nach dem Abitur an der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Münster. Später studierte er Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen und schloss mit Bachelor und Master ab. Seine politische Karriere begann früh: 2001 wurde er als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Steinfurt I / Borken I nominiert und zog 2002 als jüngster Abgeordneter in den Bundestag ein.
Gesundheitsminister in der Coronakrise
Von 2018 bis 2021 amtierte Spahn als Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV. In seine Amtszeit fiel der Ausbruch der Coronapandemie. Er verantwortete das Infektionsschutzgesetz, das dem Staat weitreichende Befugnisse ohne parlamentarische Zustimmung einräumte, und war für die Beschaffung von Masken und Impfstoffen zuständig. Kritiker warfen ihm vor, Masken zu überhöhten Preisen eingekauft und die Impfstoffbeschaffung verschleppt zu haben. Später wurden viele Vorwürfe entkräftet, doch der Imageschaden blieb. Er lehnte eine allgemeine Impfpflicht ab, setzte jedoch eine Impfpflicht gegen Masern durch. Zudem scheiterte sein Vorstoß für eine Widerspruchslösung bei der Organspende im Bundestag.
Kontroversen und innerparteiliche Konflikte
Spahn polarisierte wiederholt mit harter Rhetorik in der Migrationsdebatte. Er forderte, irreguläre Migration „auch mit physischer Gewalt“ zu unterbinden, und bezeichnete das europäische Asylsystem als „Irrsinn“. Nach der Wahlniederlage der CDU 2021 verlor er sein Ministeramt an Karl Lauterbach (SPD). Im Kabinett Merz übernahm er den Vorsitz der Unionsfraktion. Bereits zuvor gab es Kontroversen um private Investitionen: Der Kauf einer Villa in Berlin-Dahlem für mehrere Millionen Euro, finanziert unter anderem von der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat Spahn saß, führte zu Berichten über mögliche Interessenkonflikte. Spahn ging gerichtlich gegen die Veröffentlichung der Kaufsumme vor, verkaufte die Immobilie 2023 jedoch mit Verlust.
Rücktritt wegen Leihmutterschaft
Im Juli 2026 geriet Spahn unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass er und sein Ehemann Daniel Funke über eine Leihmutter in den USA einen Sohn bekommen hatten. Die Leihmutterschaft ist in Deutschland weitgehend verboten, und Spahn nutzte eine Gesetzeslücke im Ausland. Während viele Unionsmitglieder ihm zur Vaterschaft gratulierten, forderten andere seinen Rücktritt, da er als Fraktionschef unglaubwürdig geworden sei. Am 20. Juli 2026 gab Spahn seinen Rücktritt bekannt. „Die Debatte hat gezeigt, dass ich nicht mehr die nötige Unterstützung in der Fraktion habe“, erklärte er in einem Statement. Sein Nachfolger soll in den kommenden Wochen gewählt werden.
Privates und Ausblick
Spahn ist seit 2017 mit dem Journalisten und Lobbyisten Daniel Funke verheiratet. Das Paar lebt in Berlin. Spahns Vater Georg starb im April 2024. Über seine Homosexualität sprach Spahn nur selten; ein Interview mit dem „Spiegel“ 2012 bezeichnete er als sein erstes und letztes zu diesem Thema. Nach seinem Rücktritt ist unklar, ob Spahn weiterhin dem Bundestag angehören oder sich ganz aus der Politik zurückziehen wird. In der CDU gilt er weiterhin als umstrittene, aber einflussreiche Figur.



