Fast jeder fünfte Deutsche mit Migrationshintergrund wählt die AfD. Drei von ihnen – ein Deutsch-Iraner, ein afroamerikanischer Deutscher und ein Türkeistämmiger aus Berlin – erklären, warum sie der Partei ihre Stimme geben.
„Wir stehen immer noch auf einer Stufe mit Flüchtlingen“
Aram Gharibian, dessen Vater Iraner und Mutter Finnin ist, lacht über die Frage, ob er sich von den AfD-Plänen bedroht fühle, massenhaft Ausländer abzuschieben. „Ich bin Deutscher, ich habe einen deutschen Pass. Die AfD will doch nur die Flüchtlinge rauswerfen, nicht mich.“ Er fühle sich von der Migrationspolitik der etablierten Parteien vernachlässigt. „Es wird immer nur für Flüchtlinge Geld ausgegeben, aber nicht für uns, die schon lange hier leben.“
Das Gefühl der Benachteiligung
Der afroamerikanische Deutsche Michael Schmidt (Name geändert) berichtet von ähnlichen Erfahrungen. „Ich habe mein ganzes Leben in Deutschland gearbeitet und Steuern gezahlt. Aber wenn es um Sozialleistungen geht, stehen Flüchtlinge oft besser da.“ Er sehe die AfD als einzige Partei, die diese Ungleichheit thematisiere. Laut einer Studie der Universität Leipzig wählten 2021 18 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund die AfD – ein Anstieg um 6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017.
Kritik an etablierten Parteien
Der Türkeistämmige Berliner Mehmet Öztürk (Name geändert) sagt: „CDU, SPD und Grüne haben die Probleme der Integration nie ernst genommen. Die AfD spricht Dinge an, die andere nicht aussprechen.“ Er wünsche sich eine strengere Migrationspolitik, die zwischen qualifizierten Zuwanderern und Asylbewerbern unterscheide. „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber die Prioritäten sind falsch gesetzt.“
Identität und politische Heimat
Alle drei betonen, dass sie sich als Deutsche fühlten, aber die Politik der letzten Jahre sie enttäuscht habe. Gharibian: „Die AfD ist die einzige Partei, die für nationale Souveränität und gegen die Überfremdung eintritt. Das spricht mich an.“ Sie sehen sich nicht als rechtsextrem, sondern als konservative Patrioten. „Wir wollen Deutschland bewahren, wie es ist“, so Öztürk.
Widerspruch in der Migrantengemeinschaft
Nicht alle teilen diese Ansichten. Der Migrationsforscher Prof. Dr. Canan Topçu von der Universität Hamburg warnt: „Die AfD bedient Ressentiments, die auch vor Migranten nicht Halt machen. Wer sie wählt, unterstützt letztlich eine Partei, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft abwerten will.“ Dennoch zeigt der Trend: Die AfD gewinnt zunehmend Zuspruch in migrantischen Milieus, vor allem bei Männern mittleren Alters mit niedrigerem Bildungsabschluss.
Die drei Wähler bleiben bei ihrer Entscheidung. „Ich lasse mir nicht vorschreiben, wen ich wählen darf“, sagt Gharibian. „Solange die anderen Parteien unsere Probleme ignorieren, bleibe ich bei der AfD.“



