Eine neue, junge Generation türkeistämmiger Banden, die als „Gen Z der Mafia“ bezeichnet wird, breitet sich in deutschen Städten aus und verübt brutale Gewalttaten mit Schusswaffen. Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt auf Nachfrage eine „bundesweite Zunahme von Gewaltdelikten mittels Verwendung von Schusswaffen“ mit jungen türkeistämmigen Tatverdächtigen. Gruppen wie die „Daltonlar“ (benannt nach den Comic-Brüdern aus Lucky Luke), „Red Kits“, „Die Kasper“ oder „Cirkinler“ („Die Hässlichen“) liefern sich einen Wettbewerb um Brutalität und öffentliche Aufmerksamkeit.
Hintergrund: Schusswaffen-Fund in Marl und die Spur der neuen Banden
Der Fall des 23-jährigen Mohammet A., geboren im türkischen Mardin, verdeutlicht die neue Bedrohung. Nach einer Schießerei in Köln, bei der ein junger Türke mit Verbindungen zur Rockerszene schwer verletzt wurde, fanden Ermittler in einer Wohnung in Marl (Nordrhein-Westfalen) ein Waffenlager mit Dutzenden präparierten Glock-Pistolen (Kaliber 9 mm) im Wert von rund 100.000 Euro. A. ist flüchtig, vermutlich mit einem gefälschten kroatischen Ausweis. Er soll Teil der Gruppe „Daltonlar“ sein. Laut BKA agieren diese neuen Gruppen weniger hierarchisch als traditionelle Clans und inszenieren ihre Straftaten offensiv in sozialen Medien.
Welle der Gewalt: Schießereien in Bremen, Dortmund und Berlin
Seit Mitte 2025 häufen sich die Meldungen über Schusswaffengewalt. Im März 2026 starb in Bremen ein Mann bei einer Serie von Angriffen mit Schusswaffen, mehrere wurden verletzt. In Dortmund fielen im Winter an mehreren Tagen Schüsse an Kiosken in der Nordstadt. In Wassenberg bei Aachen tötete ein Mann im Mai ein Mitglied der „Hells Angels“. Die Berliner Polizei beschlagnahmte seit Herbst 2025 insgesamt 44 scharfe Schusswaffen und mehr als 600 Patronen; es laufen mehrere Hundert Ermittlungsverfahren, 36 Haftbefehle wurden erlassen. Im Fokus stehen junge türkeistämmige Täter, die oft Landsleute mit Restaurants, Kiosken oder Fahrschulen erpressen. „Es geht um Schutzgelderpressung und Revierkämpfe“, berichten Strafverfolger. Ein erfahrener Ermittler sagt: „Die kennen keine Angst.“
Waffenschmuggel über den Balkan: Alte Fluchtwege, neue Waffen
Die Waffen gelangen über eine neue Schmuggelroute von der Türkei über Griechenland, Serbien und den Balkan nach Deutschland, Schweden, Frankreich und in die Niederlande. Ehemalige Fluchtwege von Migranten werden nun für Waffentransporte genutzt. Französische Ermittler zerschlugen kürzlich ein Netzwerk, das gefälschte und umgebaute Schusswaffen aus der Türkei schmuggelte. Im Mai stoppte die griechische Polizei einen Nissan mit zwei Dutzend gefälschten Glock-Pistolen im Kofferraum. Die Ermittler prüfen Verbindungen zu den „Daltons“ und einem syrischen Netzwerk namens „Al-Busraya“. Das BKA bestätigt: „In der Türkei produzierte Schreckschusswaffen werden wiederholt als voll funktionsfähige, letale, illegal umgebaute Schusswaffen in Deutschland sichergestellt.“ Zudem gewinnen „illegal gefertigte Fälschungen von Schusswaffen“ an Bedeutung, deren Ursprung oft in der Türkei liegt. Ermittler berichten auch von illegalen Fabriken in Serbien, die gefälschte Glock- und Heckler-&-Koch-Waffen herstellen.
Schattenindustrie: Vom 3D-Druck bis zur Dienstleistung
Banden bieten den Waffenhandel als Dienstleistung an, rüsten alte Pistolen um oder stellen Waffen mit 3D-Druckern her. Auf dem Schwarzmarkt kosten die Waffen zwischen 200 und 1000 Euro. „Was wir sehen, ist eine hohe Bereitschaft, Waffen einzusetzen, und die Verfügbarkeit von Waffen“, sagt Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel. Sondereinheiten von Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin gehen mit Razzien gegen die Szene vor. Bei einer Durchsuchung einer Bar in Berlin-Mitte im April 2026 fanden Einsatzkräfte einen Teleskopschlagstock und eine Machete, aber keine Schusswaffen. Die Beamten betonen: Der Kampf gegen die neue Mafia-Generation hat gerade erst begonnen.



