Einem neuen Podcast zufolge soll Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem Vieraugengespräch im Kanzleramt zu einer Annäherung an die AfD gedrängt haben. Das Medienhaus Springer wies die Vorwürfe als „glatte Lüge“ und „absurd“ zurück.
Podcast enthüllt angebliches Treffen
In der Folge des Politik-Podcasts „Wenn Sie wüssten…“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) berichten der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck von einem Treffen Anfang 2026. Laut ihren Recherchen, die sich auf „gut informierte Personen“ stützen, soll Döpfner Merz aufgefordert haben, sich für eine Kooperation mit der AfD zu öffnen. Merz habe dies strikt abgelehnt mit den Worten: „Nur über meine Leiche.“ Als Döpfner nicht nachließ, sei das Gespräch eskaliert. Merz habe das Treffen beendet, woraufhin Döpfner im Hinausgehen gesagt haben soll: „Das werden Sie noch bereuen.“
Springer wehrt sich
Der Axel-Springer-Verlag, zu dem unter anderem die „Bild“-Zeitung gehört, wies die Darstellung scharf zurück. Auf der Plattform X hieß es: „Die Unterstellung, Mathias Döpfner hätte den Kanzler zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt, ist eine glatte Lüge. Sowohl der Verlauf als auch der Inhalt des Gespräches sind frei erfunden.“ Das Medienhaus verwies darauf, dass bereits im November 2025 eine nahezu wortgleiche Nachricht in Berliner Journalistenkreisen kursierte – noch bevor das angebliche Treffen im Frühjahr 2026 stattgefunden haben soll. „Offensichtlich handelt es sich hier um eine lange geplante und gezielt betriebene Rufmordkampagne gegen Mathias Döpfner“, so der Verlag.
Regierung und RND äußern sich
Die Bundesregierung wollte sich zu dem angeblichen Treffen nicht äußern. Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille bezeichnete die Vorwürfe in der Bundespressekonferenz als „absurde Gerüchte“. Das Kanzleramt gibt grundsätzlich keine Auskunft über nichtöffentliche Termine des Kanzlers. RND-Chefredakteurin Quadbeck erklärte, man habe den Springer-Verlag mit den Aussagen der Quellen konfrontiert. Springer habe jedoch keine Stellungnahme zum konkreten Gesprächsverlauf abgegeben, sondern nur allgemein erklärt, es sei „totaler Unsinn“, dass Döpfner eine Zusammenarbeit mit der AfD wolle.
Bereits vor der Wahl gab es Vorwürfe
Der Podcast berichtet zudem von einem früheren Gespräch zwischen Merz und Döpfner im Bundestagswahlkampf 2024/25. Damals soll Döpfner den damaligen Kanzlerkandidaten Merz ebenfalls gedrängt haben, eine Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht zu ziehen. Merz habe dies abgelehnt. Lamby zitiert in diesem Zusammenhang ein Interview mit Merz aus dem Jahr 2025, in dem dieser sagte: „Einmal '33 reicht“ – eine Anspielung auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933.
Merz‘ klare Absage an die AfD
Die Podcast-Verantwortlichen sehen eine Äußerung von Merz vom 9. März 2026 in neuem Licht. Nach einer Niederlage der CDU in Baden-Württemberg sagte der Kanzler in einer Pressekonferenz: „Ich werde, auch wenn ich mittlerweile sogar aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, eine andere Mehrheit im Deutschen Bundestag nicht suchen. Ich werde es nicht tun. Und alle diese Avancen können sich die Damen und Herren sparen. Wir werden mit dieser Partei nicht zusammenarbeiten. Punkt.“
Döpfners frühere Einflussversuche
Es ist nicht das erste Mal, dass Döpfner versucht haben soll, die Politik zu beeinflussen. Bereits vor einigen Jahren wurde bekannt, dass er den damaligen „Bild“-Chefredakteur anwies, vor der Bundestagswahl die FDP positiv darzustellen. Der aktuelle Vorfall könnte das Verhältnis zwischen dem Springer-Verlag und der Bundesregierung weiter belasten.



