In einem Vorort von Paris sind am Samstagabend rund 300 Menschen wegen eines verdächtigen Fahrzeugs in der Nähe einer Synagoge in Sicherheit gebracht worden. Die Evakuierung fand in Sarcelles statt, einem multikulturell geprägten Vorort mit einer großen jüdischen Gemeinde. Der französische Innenminister Laurent Nuñez bestätigte dem Sender BFM, dass in dem Auto eine „lange Militärwaffe“ gefunden wurde. Nach dpa-Informationen befanden sich ein Automatikgewehr und eine Pistole im Kofferraum.
Ermittlungen wegen Terrorismusverdachts
Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Terrorismusverdachts ein. Rund um das Fahrzeug wurde eine Sicherheitszone eingerichtet, die ein Kino und mehrere Restaurants zur Räumung zwang. Hintergründe zum Motiv, einer möglichen Verbindung zur Synagogengemeinde oder zur Identität der Verdächtigen sind bislang nicht bekannt. Die Untersuchung des Vorfalls läuft noch, erklärte Nuñez.
Macron warnt vor „Dämonen des Antisemitismus“
Parallel zu dem Vorfall enthüllte Präsident Emmanuel Macron am Sonntag eine Statue zu Ehren von Hauptmann Alfred Dreyfus und warnte vor einem Wiederaufleben antisemitischer Strömungen. „Wir wissen, dass die alten Dämonen des Antisemitismus in unserem Land nie vollständig verschwunden sind“, sagte Macron bei der Zeremonie. Er rief zu andauernder Wachsamkeit auf, um Taten zu verhindern, die „Menschen aufgrund ihrer Identität ins Visier nehmen“. Der 12. Juli wurde von Macron zum nationalen Gedenktag für Dreyfus' Unschuld erklärt, der ab diesem Jahr begangen wird.
Historischer Hintergrund: Die Affäre Dreyfus
Alfred Dreyfus, der Jude war, wurde 1894 wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem man ihn fälschlich beschuldigt hatte, Militärgeheimnisse an Deutschland weitergegeben zu haben. Prominente Intellektuelle wie Émile Zola setzten sich für seine Freilassung ein. Am 12. Juli 1906 sprach der Kassationsgerichtshof Dreyfus in allen Anklagepunkten frei. Er trat danach wieder in die Armee ein und diente im Ersten Weltkrieg; er starb 1935.



