Afrika-Reise: Wadephul muss sich zu Spahn äußern
Afrika-Reise: Wadephul muss sich zu Spahn äußern

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist zu einer mehrtägigen Reise nach Afrika aufgebrochen, die ihn nach Mauretanien, Nigeria und Südafrika führt. Der Besuch sollte eigentlich die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu diesen Ländern stärken, doch die politische Krise in Berlin wirft ihre Schatten bis auf den schwarzen Kontinent. Immer wieder wird Wadephul auf die jüngsten Entwicklungen in der Bundesregierung angesprochen, insbesondere auf die Rolle von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Stationen einer Reise der Gegensätze

Die erste Station war Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens. Dort traf Wadephul mit Regierungsvertretern zusammen, um über Entwicklungszusammenarbeit und Migrationsfragen zu sprechen. Mauretanien gilt als wichtiger Partner in der Sahelzone, leidet aber unter Armut und politischer Instabilität. Von dort ging es weiter nach Lagos, der Wirtschaftsmetropole Nigerias. In Lagos standen Treffen mit jungen Unternehmern und Influencern auf dem Programm, die für ein modernes, aufstrebendes Afrika stehen. „Nigeria ist ein Land der Chancen“, sagte Wadephul laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes. Die letzte Station ist Johannesburg in Südafrika, wo Gespräche über Handel und regionale Sicherheit geplant sind.

Schatten aus Berlin: Die Spahn-Frage

Doch die Reise wurde überschattet von den politischen Turbulenzen in Deutschland. Insbesondere die Affäre um Jens Spahn, der wegen möglicher Vorteilsnahme im Zusammenhang mit der Beschaffung von Schutzmasken in der Corona-Pandemie unter Druck steht, beschäftigt auch die afrikanischen Gastgeber. Auf einer Pressekonferenz in Lagos wurde Wadephul direkt gefragt, ob Spahn noch haltbar sei. Der Minister wich einer klaren Antwort aus: „Ich bin nicht für die Personalien in anderen Ministerien zuständig. Die Arbeit von Jens Spahn wird im Bundestag und in den zuständigen Gremien bewertet.“ Er betonte jedoch, dass die Regierung geschlossen handeln müsse. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, und es ist wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen.“

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Wirtschaftliche Chancen und Sicherheitsrisiken

Abseits der politischen Fragen standen konkrete Projekte im Fokus. In Nigeria unterzeichnete Wadephul ein Abkommen zur Förderung erneuerbarer Energien. Deutsche Unternehmen sollen beim Ausbau von Solar- und Windkraft helfen. „Afrika ist ein Kontinent der Zukunft, und Deutschland will Partner beim nachhaltigen Aufbau sein“, so Wadephul. Gleichzeitig thematisierte er die Sicherheitslage in der Sahelzone, wo Terrorgruppen immer wieder zuschlagen. Deutschland unterstützt die afrikanischen Staaten mit Ausbildungshilfe für Sicherheitskräfte. Die Reise soll auch dazu dienen, die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror zu vertiefen.

Kritik an der Reise aus der Opposition

In Deutschland wurde die Reise kritisch begleitet. Die oppositionelle Linke warf Wadephul vor, die Probleme in der Regierung nicht ernst zu nehmen. „Während die Koalition in Berlin auseinanderfällt, reist der Außenminister durch Afrika und hält schöne Reden“, sagte die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sevim Dağdelen. Auch aus den Reihen der FDP gab es Kritik: Man vermisse klare Worte zur Spahn-Affäre. Wadephul selbst zeigte sich gelassen: „Ich mache meine Arbeit. Die Reise ist wichtig für die deutschen Interessen.“

Ausblick: Rückkehr in die Krise?

Wadephul wird am Freitag nach Berlin zurückerwartet. Dann muss er sich erneut den Fragen zur Regierungskrise stellen. Die Koalition aus Union und SPD steht nach den jüngsten Ereignissen unter massivem Druck. Ob die Reise nach Afrika dazu beigetragen hat, die diplomatischen Beziehungen zu stärken, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Außenminister konnte den innenpolitischen Problemen nicht entfliehen.

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