Andy Burnham ist der neue Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. beauftragte den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Labour-Partei mit der Regierungsbildung. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester tritt die Nachfolge von Keir Starmer an, der im Juni unter starkem Druck seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Burnham kündigt „größte Veränderungen der letzten 40 Jahre“ an
In seiner Antrittsrede als Premierminister versprach Burnham einen „Zehn-Jahres-Plan“ zur Wiederaufrichtung des Landes. Er sprach von den „größten Veränderungen der letzten 40 Jahre“. „Wir werden diesen Moment zu einem Wendepunkt für Großbritannien machen“, sagte der 56-Jährige in der Downing Street. Burnham ist der siebte britische Regierungschef innerhalb von zehn Jahren.
„Großbritannien muss der Welt zeigen, dass wir unsere Stabilität wiedergewinnen können“, so Burnham. Er kündigte Reformen im Bildungssystem, eine Stärkung der Industrie und den Bau von Sozialwohnungen an. Ein konkretes Ziel ist die Beendigung der Obdachlosigkeit im Land.
„König des Nordens“ als Hoffnungsträger
Burnham, wegen seiner Beliebtheit in Manchester als „König des Nordens“ bezeichnet, gilt seit Wochen als Hoffnungsträger für Labour. Unter Starmer hatte die Partei im Sommer 2024 einen überzeugenden Wahlsieg errungen, die komfortable Mehrheit im Parlament jedoch aufgrund interner Streitigkeiten nie richtig nutzen können. Seit Monaten liegt die rechtspopulistische Partei Reform UK in Umfragen teils deutlich vorn.
Er wurde am Freitag zum neuen Labour-Vorsitzenden ernannt – ohne Gegenkandidaten. In seiner Antrittsrede beschrieb er sich selbst als Mann der Basis und klassisch sozialdemokratischen Politiker links der Mitte. Burnham versprach, die Kontrolle über Wasser, Energie, Wohnungsbau und öffentliche Verkehrsmittel wieder stärker in öffentliche Hand zu bringen und die in London konzentrierte Macht in die Regionen zu verlagern. Eine vollständige Rückkehr in die Europäische Union scheint auch unter dem neuen Premier ausgeschlossen.
Große Herausforderungen für den neuen Premier
Burnham steht vor vielen Problemen, die sein Vorgänger Starmer nicht lösen konnte: Die britische Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch verliert die Nation an Bedeutung, und die Bevölkerung leidet unter sozialer Ungleichheit, Wohnungsnot und hohen Energiekosten. Bereits für heute werden Ankündigungen zu Maßnahmen für mehr finanziellen Spielraum erwartet.
Die Gepflogenheiten in Westminster kennt Burnham genau. In den 2000er-Jahren war er unter Premierminister Gordon Brown unter anderem Gesundheitsminister. 2010 und 2015 hatte er zweimal erfolglos versucht, Labour-Vorsitzender zu werden. Die BBC beschrieb ihn als „rücksichtslosen Strippenzieher“ und verwies auf Berichte, dass Burnham entgegen dem bisherigen Labour-Kurs neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.
Privates: Verheiratet und Everton-Fan
Burnham ist seit 2000 mit Marie-France van Heel verheiratet, die er seit dem Studium kennt. Das Paar hat drei Kinder. Seine Leidenschaft für den FC Everton erwähnte er sogar in seiner Antrittsrede als Labour-Chef. Er hoffe, seine Menschennähe auch in der kommenden Saison mit einer Dauerkarte unter Beweis stellen zu können.
Burnham wuchs mit zwei Brüdern im Dorf Culcheth zwischen Manchester und Liverpool auf. Seine Eltern, beide berufstätig, waren große Labour-Anhänger. In einem Interview mit der „Times“ sprach Burnham über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters, der den politischen Aufstieg seines Sohnes nicht mehr richtig miterleben kann.



