Angriff auf Apollo-Reporter: Kritik an Polizeieinsatz in Erfurt
Angriff auf Apollo-Reporter: Polizei in der Kritik

Hätte der Angriff auf drei Reporter der rechten Plattform „Apollo News“ am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt früher gestoppt werden können? Videoaufnahmen des Tagesspiegels zeigen, dass Minuten bevor einer der Reporter am Boden getreten wurde, per Durchsage auf die Zuspitzung der Situation aufmerksam gemacht wurde. Die Polizei war zwar in der Nähe, doch die Frage bleibt: Warum griffen die Beamten nicht sofort ein?

Der Vorfall im Detail

Die drei Reporter hatten bei einer Demonstration gegen den AfD-Parteitag sitzende Demonstranten gefilmt. Als diese das bemerkten, gingen „Kamera“-Warnrufe durch die Reihen. Die Demonstranten in den gelben Westen wollten nicht gefilmt werden. „Weg mit euch“-Rufe wurden laut, die Stimmung schlug um und wurde feindlich. Die drei Reporter versuchten, wegzugehen, wie Videoaufnahmen zeigen und einer der drei, Marius Marx, im Gespräch mit dem Tagesspiegel berichtet.

Die Lage spitzte sich binnen Minuten zu: Immer mehr Demonstranten verfolgten die drei Reporter, schubsten, brüllten „Nazis raus“ und „Haut ab“. Gegenstände flogen. Die drei liefen auf Polizeiwagen hinter einer Straßenecke zu. Einer der drei wurde vom Schwarzen Block am Boden getreten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Rolle der Polizei

Auf Aufnahmen des Tagesspiegels ist zu hören: In derselben Minute, in der die Apollo-Reporter noch die Sitzgruppe filmen und dann versuchen, zügig den Ort zu verlassen, weist eine Durchsage von einer improvisierten Bühne auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Polizei auf das Geschehen hin. „Zum einen hat sich offensichtlich ’n Faschist hier druntergemischt. Der hat hier überhaupt nichts zu suchen. Deshalb bilden sich jetzt hier schon Leute“, sagt der offenbar selbst angespannte Sprecher. „Ich würde allerdings trotzdem die Polizei auch auffordern, dafür zu sorgen, dass solche Leute hier nicht Teil dieser Versammlung sind. Das sind sie nämlich nicht. Die sind ausgeschlossen. Faschisten haben hier nichts zu suchen. (Unverständlich)… ob alles klar ist bei euch?“

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich an mindestens zwei Orten Polizeiposten: zum einen ein kurzes Stück die Straße herauf, wo eine gute Viertelstunde zuvor offenbar eine Sitzblockade AfD-Delegierte am Durchkommen hindern wollte, und ein Stück die Straße herunter. Der Bereich, in dem die Polizei kurz danach die drei Reporter vor dem Schwarzen Block schützte, der zwischen Bühne und Polizei stand.

Zeitlicher Ablauf und Reaktionen

Zudem ist zu sehen, wie plötzlich immer mehr Menschen auf einen bestimmten Punkt auf der Gothaer Straße strömen, einige rennen, und „Nazis raus“ rufen. Aus den Boxen der Bühne schallt ein „Nazis raus“-Lied. Die Reporter laufen an einem Stand der Partei Die Linke vorbei. Im Hintergrund weht eine DGB-Fahne.

Er sei den Polizisten, die am Ende des Spießrutenlaufs geholfen haben, dankbar, sagt Marx. Es sei alles sehr schnell gegangen. Der Schutz von Medienvertretern sei Aufgabe aller eingesetzten Kräfte gewesen, erklärte die Landespolizeidirektion in Erfurt auf eine Anfrage des Tagesspiegels. „Hätten Beamtinnen oder Beamte die Geschehnisse im Bereich der Gothaer Straße gesehen oder gehört, wären diese unverzüglich eingeschritten.“ Der Schutz von Medienvertretern nehme bei der Thüringer Polizei einen hohen Stellenwert ein.

Vorbereitung der Sicherheitskräfte

Tatsächlich waren die Sicherheitskräfte so gut vorbereitet wie selten bei einem AfD-Parteitag. Medienteams waren für Journalisten ansprechbar und es gab eine eigens eingerichtete Hotline. An neuralgischen Punkten ermöglichten Beamte Journalisten den Zugang, die von Demonstranten aufgehalten wurden.

„In der Straße des Friedens kamen Polizeibeamte den Journalisten unverzüglich zu Hilfe. Diese nahmen eine Anzeige auf und veranlassten die medizinische Versorgung der verletzten Männer“, so eine Polizeisprecherin. Das bestätigt auch Marius Marx.

Offene Fragen

Sollte tatsächlich keiner der anwesenden Polizisten mitbekommen haben, was auf der Bühne durchgesagt wurde, oder dass gut sichtbar auf der Gothaer Straße plötzlich Menschen verfolgt und als „Nazis“ bezeichnet wurden, stellt sich zudem die Frage: Warum haben sich von Hunderten Demonstrantinnen und Demonstranten, die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen wollten, nur wenige zwischen die Reporter und die Schläger gestellt?

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration