Anti-Terror-Schutz am Breitscheidplatz: Debatte um Stadtbild und Sicherheit
Anti-Terror-Schutz am Breitscheidplatz: Debatte um Stadtbild

Am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg entbrennt eine Debatte über die künftigen Anti-Terror-Schutzanlagen. Bei einer Veranstaltung am Donnerstag warben die AG City, die viele Anrainer der City West vertritt, und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf dafür, bei der Umgestaltung auch stadtverträgliche Lösungen in den Blick zu nehmen. Die Sorge dahinter: Neue Sperren könnten den Platz stark verändern und seine Aufenthaltsqualität beeinträchtigen. Wie die dauerhafte Lösung am Ende konkret aussehen wird, ist offen.

Bezirksbürgermeisterin fordert Abwägung zwischen Sicherheit und Stadtbild

Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) machte deutlich, dass aus Sicht des Bezirksamts Sicherheit und Stadtbild zusammen gedacht werden müssen. „Das ist besser, als alles zu verbarrikadieren“, sagte sie mit Blick auf mögliche Sperranlagen. Zugleich stellte sie klar, dass die Entscheidung wegen der besonderen Sicherheitslage nicht beim Bezirk, sondern beim Berliner Senat liegt. Der Bezirk wolle aber darauf hinwirken, dass die Maßnahmen so stadtverträglich wie möglich ausfallen. Bauch betonte zudem, dass der Platz durch die Baustellen ohnehin schon stark belastet sei und der Bezirk deshalb besonders auf die Aufenthaltsqualität achte.

Testlauf für neue Stadtmöbel: Schutz kann auch einladend wirken

Als Beispiel verweist die AG City auf ein System, das derzeit in der Kantstraße zwischen Waldorf Astoria und Upper West getestet wird. Die Elemente wirken wie ein Teil des Stadtraums. Sie sind mit Holz verkleidet, bepflanzt, mit Sitzgelegenheiten kombiniert, und sollen zeigen, dass Schutz nicht abweisend aussehen muss. Ob so etwas später auch an anderer Stelle eingesetzt wird, ist unklar. Auch aus den Antworten des Senats auf eine Anfrage der Berliner Morgenpost geht bisher nicht hervor, wie die künftigen Elemente am Ende aussehen werden. Gestaltungskonzepte könnten zum jetzigen Planungsstand noch nicht veröffentlicht werden.

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Martin Fichtelmann, Erfinder des sogenannten Protection Cube, beschreibt den Ansatz bewusst nicht nur als Schutzsystem. „Wir haben mehr den Fokus auf Stadtmöbel“, sagte er. Sein Konzept solle Schutz mit anderen Funktionen verbinden, etwa mit Bänken, Pflanzen, Licht oder möglichen Ladepunkten. Nach seinen Angaben wurde das System von der Dekra erfolgreich getestet. Die Eindringtiefe eines Lastwagens habe im Test bei knapp sieben Metern gelegen. Die Anlage in der Kantstraße sei aber kein fertiges Modell für den Breitscheidplatz. „Das ist ein Vorschlag, das ist eine Idee“, sagte Fichtelmann. Aus Sicht des Senats sind die Elemente in der Kantstraße derzeit nur eine temporäre Lösung. Eine finale Bewertung oder Festlegung sei noch nicht erfolgt, heißt es.

Modulare Würfel sichern Platz und lassen sich schnell aufbauen

Auch die AG City formuliert zurückhaltend. Patrick Wittke sagte bei dem Termin: „Wir haben ja nichts mit der Sicherheit zu tun, da können wir nicht hineinreden.“ Es gehe dem Verein darum, eine Lösung anzustoßen, die den Platz nicht unnötig hart wirken lässt. Entscheidend sei, „dass der Platz schön ist, dass die Leute herkommen“, sagte er. Wittke verwies zudem auf die Belastung der Gewerbetreibenden durch die Baustellen, die wohl bis 2031 bleiben. In der Geschäftsstelle gingen dazu fast täglich Anrufe ein.

Nach Angaben Fichtelmanns kostet das in der Kantstraße gezeigte Modell für drei Würfel in der Maximalausstattung mit Bepflanzung und Beleuchtung zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Ein Vorteil aus seiner Sicht: Die Anlage lasse sich schnell aufbauen. Die in der Kantstraße gezeigten Elemente seien in rund zehn Stunden aufgestellt worden. Das System besteht aus schweren Modulen mit Stahlkern, die miteinander verbunden sind und so die Wucht eines aufprallenden Fahrzeugs abfangen.

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Dauerschutz für Breitscheidplatz: Kosten und Planung

Es bleibt ein Problem: Für Teile des Breitscheidplatzes gibt es schon eine abgestimmte Planung für einen dauerhaften Schutz. In der Rankestraße haben die vorbereitenden Arbeiten längst begonnen. Die Kosten dafür sind enorm. Allein für den südlichen Teil des Platzes werden derzeit rund 11,25 Millionen Euro veranschlagt. Dort soll der Platz als Erstes einen Dauerschutz erhalten, damit sich ein Vorfall wie der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2016, bei dem ein islamistischer Attentäter einen Lkw auf den Platz steuerte und zwölf Menschen tötete, nicht wiederholt. Die dauerhaften Sperrelemente ragen dabei metertief in den Untergrund hinein.

Auf der Nordseite befinden sich die Planungen laut Senatsverwaltung für Inneres weiter in der Abstimmung. Aufgrund der Länge könnte es dort noch einmal teurer werden. Froh sind wohl alle, dass die provisorischen Elemente am Platz wegkommen. Sie seien unter hohem Zeitdruck umgesetzt worden und würden in ihrer Kombination weder den Anforderungen an die Stadtgestaltung noch an die Aufenthaltsqualität gerecht werden, antwortet der Senat auf eine Anfrage der Abgeordneten Aldona Niemczyk (CDU).

Kulturgut Platz: Abgeordnete fordert angemessenen Schutz

Aus der Antwort geht aber auch hervor: Das Land hält zusätzlichen Schutz am Breitscheidplatz weiter für nötig. Mehrere Konzepte sollen verhindern, dass Fahrzeuge in sensible Bereiche fahren. „Es muss aber dem Platz gerecht werden. Der Platz ist ein Kulturgut“, so Niemczyk. Der Senat verspricht immerhin Mitspracherecht. Die Planung der dauerhaften Zufahrtsschutzmaßnahmen erfolge in enger Abstimmung mit den beteiligten Fachverwaltungen sowie dem Bezirk und unter Einbeziehung der Belange des Denkmalschutzes. Auch Barrierefreiheit und Inklusion müssten berücksichtigt werden. Noch ist nicht entschieden, wie der Breitscheidplatz am Ende aussehen wird. Aber der Druck wächst, eine Lösung zu finden, die Sicherheit bietet, ohne den zentralen Ort erneut zu verbauen.