Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev hat bei seinem Berlin-Besuch indirekt ein deutsch-russisches Geheimtreffen in Baku bestätigt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) berichtete Aliyev von Informationen seines Grenzschutzes. Demnach seien der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) am 12. Juli von Berlin nach Baku geflogen. An den Folgetagen seien der ehemalige russische Ministerpräsident Viktor Subkow und Russlands Menschenrechtsbeauftragter Waleri Fadejew angereist. Beide gelten als Vertraute von Kreml-Chef Wladimir Putin.
Seit Tagen gab es Berichte über einen solchen Termin, aber keine offizielle Bestätigung. Merz sagte auf eine Journalistenfrage: „Mir ist von einem solchen Treffen nichts bekannt.“ Aliyev hatte nach eigenen Angaben keine Informationen aus Deutschland oder Russland erhalten. Er betonte jedoch: „Wenn dieses Treffen zum Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beitragen sollte, können wir das nur begrüßen.“
UN: Deutlicher Anstieg ziviler Opfer durch Drohnenangriffe
Das UN-Menschenrechtsbüro bezeichnet die wachsende Zahl ziviler Opfer bei russischen Angriffen in der Ukraine als „schockierend“. Besonders auffällig sei der Anstieg von Attacken mit Drohnen, die über Videobrillen gesteuert werden, sagte die Leiterin des Büros in der Ukraine, Danielle Bell. Insgesamt seien durch russische Angriffe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 37 Prozent mehr Menschen getötet oder verletzt worden als im gleichen Zeitraum 2025. Das Büro registrierte knapp 2000 Tote und knapp 8000 Verletzte. Es listet nur selbst verifizierte Todes- und Verletztenmeldungen auf. Gegenüber den ersten sechs Monaten 2024 waren es fast doppelt so viele Opfer. In den ersten sechs Monaten seien durch Angriffe mit drohnengesteuerten Videobrillen 2800 Menschen getötet oder verletzt worden – 65 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. In vielen Grenzgebieten sei ein Gang zum Markt, mit dem Hund Gassi gehen oder Gärten bewässern lebensgefährlich geworden, so der Sprecher des Büros in Genf.
Russland verbietet Ankern in ungeschützten Gebieten im Asowschen Meer
Russland hat in zwei Häfen entlang einer wichtigen Handelsroute für Getreide im Asowschen Meer das Ankern in Gebieten ohne Luftverteidigung verboten. Der Erlass betrifft Schiffe im Hafen von Asow und im Hafen von Kawkas in der Straße von Kertsch. Diese Meerenge verbindet das Asowsche mit dem Schwarzen Meer. Der Schiffsverkehr im Asowschen Meer ist seit vergangenem Freitag aufgrund wiederholter ukrainischer Angriffe auf Tanker und andere Handelsschiffe eingeschränkt. Über die Route geht etwa ein Viertel der russischen Getreideexporte.
Mindestens drei Tote bei russischen Angriffen in der Ukraine
Bei russischen Angriffen in der Ukraine sind mindestens drei Menschen getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von zwei Todesopfern und mehreren Verletzten in Saporischschja im Südosten. Russland habe mit Gleitbomben ein mehrstöckiges Wohnhaus angegriffen, schrieb er in sozialen Medien. Auch in Cherson wurde ein Mensch getötet, zwei weitere verletzt. Das russische Militär habe Gleitbomben und Drohnen eingesetzt. Zudem gab es zwei Verletzte in Odessa. Selenskyj forderte die EU zur Verabschiedung des 21. Sanktionspakets und schnelle Waffenlieferungen auf. In Sumy wurden sechs Bewohner eines mehrstöckigen Hauses bei Drohnenangriffen verletzt, darunter vier Minderjährige. In einem Einkaufszentrum brach ein Großbrand aus, und Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt.
Indien bestellt russischen Diplomaten ein nach tödlichem Angriff auf Frachter
Nach dem Tod von vier indischen Seeleuten bei einem Raketenangriff im Schwarzen Meer hat Indiens Außenministerium den russischen Geschäftsträger Wladimir Ladanow einbestellt. Er sei aufgefordert worden, Indiens „ernste Besorgnis“ nach Moskau zu übermitteln. Angriffe auf die zivile Schifffahrt und der Tod von Zivilisten seien „inakzeptabel“. Ukrainischen Angaben zufolge hatte Russland den unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrenden Frachter „Golden Leo“ am Sonntag mit drei Marschflugkörpern beschossen, wobei zehn Menschen getötet wurden, darunter die vier Inder.
Russland greift ukrainische Gasanlagen in Charkiw an
Russland hat den dritten Tag in Folge Gasförderanlagen des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz in der nordöstlichen Region Charkiw attackiert. Ein Angriff am Sonntag führte zu einem Teilausfall der Produktion, eine weitere Anlage wurde am Montagmorgen beschädigt.
IWF gibt weitere 690 Millionen Dollar für die Ukraine frei
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Weg freigemacht für die sofortige Auszahlung von rund 690 Millionen Dollar an die Ukraine. Der IWF-Vorstand habe eine Überprüfung des Finanzierungsprogramms abgeschlossen. Die Ukraine habe trotz des Krieges ihre Finanzstabilität aufrechterhalten, jedoch hätten sich die wirtschaftlichen Aussichten eingetrübt. Gründe seien verstärkte russische Angriffe auf die kritische Infrastruktur und indirekte Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten. Zudem habe sich die Umsetzung von Reformen verlangsamt. Das Kreditprogramm umfasst 8,1 Milliarden Dollar, mit der jüngsten Freigabe steigen die Auszahlungen auf etwa 2,2 Milliarden Dollar.
Weitere Angriffe und Entwicklungen
Bei einem russischen Angriff auf ein aus Odessa auslaufendes Schiff wurden vier Inder getötet, ein weiterer ist in kritischem Zustand. Die Ukraine meldete Drohnenangriffe auf sieben russische Schiffe im Schwarzen und Asowschen Meer, die Zahl der im Juli getroffenen Schiffe stieg auf 183. Zudem wurden sieben Umspannwerke auf der Krim angegriffen. Die Zahl der Todesopfer auf dem Frachter vor Odessa verdoppelte sich auf zehn. Die Ukraine griff Moskau mit 400 Drohnen an, dabei wurden zwei Menschen verletzt und Gebäude in Brand gesetzt. Die russische Luftabwehr schoss 381 Drohnen ab. In Saporischschja tötete ein russischer Luftangriff mit Lenkbomben mindestens zwei Menschen, 42 wurden verletzt. Das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) setzte die Ölverladung nach Angriffen auf zwei Tanker aus. Die Ukraine attackierte zwei russische Öltanker im Schwarzen Meer und einen Schwimmkran im Asowschen Meer. Russland feuerte die größte Zahl ballistischer Raketen seit Kriegsbeginn ab – rund vier Dutzend, wobei die Luftabwehr 18 abfing. In Kiew wurde mindestens ein Mensch getötet. In Kramatorsk töteten russische Bombenangriffe zwei Menschen. Die ukrainischen Drohnentruppen meldeten, 13 weitere russische Schiffe getroffen zu haben, die Gesamtzahl beschossener Schiffe im Schwarzen und Asowschen Meer steigt auf 172. Die Ukraine attackierte zwei Logistikzentren in den Regionen Moskau und Tambow sowie eine Ölanlage. In Odessa wurde bei einem russischen Angriff ein Mensch getötet.



