Craig Foreman ist seit 55 Tagen im Hungerstreik, seine Frau Lindsay seit 46 Tagen. Beide nehmen nur Wasser mit etwas Milch und Honig zu sich. Der Gesundheitszustand des britischen Paares, das im Iran wegen angeblicher Spionage zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, hat sich nach Angaben von Angehörigen und Uno-Experten dramatisch verschlechtert.
Hintergrund der Inhaftierung
Die beiden 53-Jährigen waren im Januar 2025 auf einer Motorrad-Tour von Spanien nach Australien, als sie in Iran von den islamischen Revolutionsgarden festgenommen wurden. Sie besaßen gültige Visa und hatten die Route nach eigenen Angaben ordnungsgemäß mit den Behörden abgeklärt. Dennoch wurden sie wegen Spionage angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Paar bestritt die Vorwürfe vehement und legte Berufung ein, jedoch vergeblich.
Seit Anfang Mai wird ihnen jeglicher Kontakt zu ihren Familien verwehrt, auch konsularische Besuche sind laut einem Uno-Bericht nicht gestattet. In Großbritannien wurde die Untätigkeit der Botschaft und der Regierung im Parlament scharf kritisiert.
Hungerstreik und Gesundheitsrisiken
Der Hungerstreik, den das Paar als Protest gegen die Haftbedingungen begonnen hat, ist inzwischen zu einem medizinischen Notfall geworden. Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen forderten die sofortige Entlassung der Briten. „Lindsay und Craig Foreman sollten nicht im Gefängnis sitzen“, hieß es in dem Uno-Bericht vom 17. Juni. „Sie scheinen zu Unrecht inhaftiert, aus höchst fragwürdigen Gründen strafrechtlich verfolgt und nach Verfahren verurteilt worden zu sein, die grundlegende Garantien für ein faires Verfahren nicht erfüllten.“
Ein wochenlanger Hungerstreik ist potenziell lebensbedrohlich und kann zu Multiorganversagen oder irreversiblen Schäden führen. Nach 60 Tagen steigt das Sterberisiko laut Experten stark an. Anfangs werden Kohlenhydratvorräte des Körpers verbraucht, dann die Fettreserven, schließlich zunehmend auch Eiweiß aus Muskeln und Organen – etwa dem Herzmuskel.
Reaktionen von Angehörigen und Freunden
Angehörige und Freunde sind inzwischen so besorgt, dass sie einen Brief an die Foremans geschrieben haben, in dem sie sie auffordern, ihren Protest zu unterbrechen, um ihre Gesundheit nicht weiter zu gefährden. Lindsays Sohn Joe Bennett sagte dem „Independent“: „Meine größte Sorge ist die Zeit. Mit jedem Tag, der vergeht, wird der potenzielle Schaden größer.“ Er wolle nicht „an das Schlimmste denken“.
Das Evin-Gefängnis im Norden Teherans, in dem das Paar inhaftiert ist, ist berüchtigt für seinen brutalen Umgang mit Insassen. Geleakte Videoclips belegen laut Amnesty International sexuelle Belästigung, Misshandlung und Vernachlässigung von Gefangenen. In der Haftanstalt sind viele politische Gefangene untergebracht.
Appell aus dem Gefängnis
In einem aus dem Gefängnis geschmuggelten Brief soll Lindsay Foreman ihren Protest als „Freiheitsfasten“ bezeichnet haben: „Wir machen weiter, weil wir die Korruption und die Grausamkeit in diesem Land offenlegen müssen“, schrieb sie. Es gelte „die Realität der Ungerechtigkeit, unter der Tausende Unschuldige jeden einzelnen Tag leiden“, aufzuzeigen. Das Paar wolle „dafür kämpfen, was wichtig ist im Leben: Freiheit, Familie und Liebe“.



