Dorothee Bär steht vor ihrer größten Bewährungsprobe. Die Forschungsministerin, die gern auf Instagram gute Laune verbreitet und Reden mit „fun facts“ garniert, muss nun einen handfesten Chinaskandal aufarbeiten. Dabei dreht es sich nicht nur um die Vorgänge im Cispa, dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Es geht für sie ums große Ganze – größer als ihr Kommunikations-Gau beim Bafög.
Das grundlegende Problem der deutschen Forschung
Die Forschungs- und Hochschullandschaft hat ein strukturelles Problem. Milliarden fließen ins System, trotzdem fällt Deutschland international zurück. Vorn liegt China. Der autoritäre Staat verfolgt unverhohlen das Ziel, bis 2049 eine „Weltklassearmee“ aufzubauen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass Chinesen seit Jahren im Cispa ein- und ausgehen, zu Cybersicherheit und KI forschen, dann mit ihrem erworbenen Wissen in die Heimat zurückkehren und dort an militärnahen Unis arbeiten?
Der Cispa-Fall im Detail
Ein Sonderermittler soll nun die Vorfälle untersuchen. Die Ankündigung allein ist jedoch nichts wert. Es geht nicht darum, ob etwas legal war oder nicht – China nutzt geschickt Grauzonen. Die entscheidende Frage lautet: Warum konnte so etwas sieben Jahre lang systematisch geschehen? Der Bund sitzt im Cispa-Aufsichtsrat und ist zu 90 Prozent Gesellschafter. Warum gab es kein Stoppschild?
Fehlende Sicherheitsregeln als nationale Gefahr
Ohne klare Sicherheitsregeln droht der Forschungsnation der weitere Abstieg. Der Vorfall offenbart ein deutsches Problem: mangelnde Sensibilität für Sicherheitsrisiken in der internationalen Zusammenarbeit. Laut Experten sind ähnliche Vorfälle in anderen Einrichtungen nicht auszuschließen. Die Politik ist gefordert, transparente Leitlinien zu schaffen, die wissenschaftliche Exzellenz mit nationalen Sicherheitsinteressen vereinbaren.



