Vor dem Hintergrund wachsender Handelsspannungen hat China Deutschland nach dem Treffen zwischen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Handelsminister Wang Wentao zur Fairness gemahnt. Der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, He Yadong, betonte in Peking, dass angesichts des zunehmenden Protektionismus Deutschland und China den freien Handel unterstützen, den gegenseitigen Marktzugang ausweiten und ein faires, offenes und diskriminierungsfreies Geschäftsklima schaffen sollten.
Gespräche in Brüssel und Peking
Wang hatte am Sonntag in Brüssel mit der CDU-Politikerin Reiche gesprochen, gefolgt von einem Treffen mit EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Montag. Dabei standen Chinas Exportkontrollen auf seltene Erden und daraus gefertigte Magnete sowie die Fortsetzung handelspolitischer Gespräche im Mittelpunkt. Laut Handelsministerium erklärte Wang bei dem Treffen mit Reiche, China hoffe auf eine aktive Rolle Deutschlands in der EU, um Brüssel zu einer „rationalen Haltung“ in der Handelspolitik mit China zu bewegen.
Bereits nach Reiches Antrittsbesuch Ende Mai in Peking hatten sich Deutschland und China darauf geeinigt, möglichst bald einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss wieder ins Leben zu rufen. Laut Sefcovic sicherte Wang zu, dass die bestehenden Exportkontrollen die Lieferketten der EU nicht beeinträchtigen würden. Was dies genau umfasst, erklärte Behördensprecher He auf Nachfrage nicht. Beide Seiten begannen zudem neue Handels- und Investitionskonsultationen, um Handelskonflikte zu entschärfen.
Handelsdefizit und Zolldrohungen
Die EU hat mit China wegen der hohen chinesischen Exporte nach Europa ein enormes Handelsdefizit. Laut Sefcovic schrumpft parallel der Marktanteil europäischer Firmen in China. In der EU wurden zuletzt unter anderem neue Zusatzzölle auf Importe aus China erwogen, sollte es in den Handelskonflikten zu keiner Annäherung kommen. China-Analyst Gabriel Wildau von der Beratung Teneo sagte: „Angesichts der Bedrohung für die europäische Industrie scheint unter europäischen Staats- und Regierungschefs das Gefühl der Dringlichkeit einen Umkehrpunkt erreicht zu haben.“ Mittlerweile sei klar, dass Peking nicht die Absicht habe, einseitig gegen das vorzugehen, was Brüssel als grassierende industrielle Überkapazitäten ansieht.
Hitzewelle zeigt Abhängigkeiten von China
Die EU-Gespräche fielen zudem mitten in eine enorme Hitzewelle in Europa, die die Nachfrage nach Klimaanlagen ankurbelte und erneut Abhängigkeiten von China zeigte. In der Branche sind chinesische Konzerne wie der Haushaltswarenhersteller Midea stark vertreten. Mit mehr als 200.000 Split-Geräten habe sich der Absatz in diesem Jahr gemessen am Vorjahreszeitraum verdoppelt, sagte Mideas Europachef für Klimaanlagen, Xiong Xueqin, chinesischen Medien.



