Mit massiven US-Luftangriffen im Iran und Vergeltungsattacken der iranischen Revolutionsgarden in der Region ist der Konflikt am Persischen Golf erneut eskaliert. Bei einem Raketenangriff auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien kamen erstmals seit Monaten wieder zwei US-Soldaten ums Leben, wie das US-Regionalkommando Centcom mitteilte. Ein weiterer Soldat wird vermisst. Damit steigt die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran getöteten US-Soldaten auf 16. Beide Seiten verschärften daraufhin ihre Drohungen, diplomatische Bemühungen sind nicht erkennbar.
Iran droht mit Racheakten – Chamenei lässt Erklärung veröffentlichen
Irans oberster Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, drohte am Samstag mit Racheakten. In einer Erklärung hieß es: „Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten.“ Chamenei, der sich seit seiner Ernennung noch nie öffentlich gezeigt hat, ließ die Stellungnahme über offizielle Kanäle verbreiten. Die Angriffe der iranischen Revolutionsgarden konzentrierten sich auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien. Am Wochenende heulten in den mit den USA verbündeten Golfstaaten erneut die Sirenen.
US-Präsident Trump unter Druck – „sehr traurige Sache“
Der Druck auf US-Präsident Donald Trump, der sich im eigenen Land angesichts des unpopulären Krieges mit Unzufriedenheit konfrontiert sieht, dürfte mit dem Tod der US-Soldaten weiter steigen. Der US-Sender NewsNation zitierte ihn nach einem Gespräch über die Todesfälle mit der Aussage, dass das „eine sehr traurige Sache“ sei. „Wir sehen das ungern“, sagte er und bekräftigte einmal mehr, der Iran dürfe keine Atomwaffen haben. Trump hatte bereits beim Nato-Gipfel in Ankara die Waffenruhe und das Rahmenabkommen als hinfällig bezeichnet, aber die Tür für weitere Verhandlungen offen gelassen.
Mindestens 50 Tote im Iran seit Anfang Juli
Im Iran kamen bei den US-Angriffen seit Anfang Juli mindestens 50 Menschen ums Leben, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hossein Kermanpur, mitteilte. Mehr als 500 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Regierung berichtet in der Regel nur über zivile Opfer. Über Verluste unter den Streitkräften gibt es keine offiziellen Daten. Vor wenigen Tagen meldeten die Bodenstreitkräfte im Südwesten des Irans jedoch sieben Tote. Das US-Militär greift vor allem die südlichen Küstenprovinzen des Landes an, um Irans Fähigkeit zu beeinträchtigen, in der Straße von Hormus militärisch zu agieren.
Hintergrund: Streit um Straße von Hormus und gebrochenes Rahmenabkommen
Der Konflikt war vor weniger als zwei Wochen ausgebrochen, nachdem Irans mächtige Revolutionsgarden Schiffe in der Meerenge attackiert hatten. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen ein Mitte Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen vor, das eigentlich den Weg zu einem dauerhaften Ende des Krieges ebnen sollte. US-Präsident Trump hatte dies bereits beim Nato-Gipfel in Ankara deutlich gemacht. Am Samstag erklärte Irans Vizeaußenminister, der Interimsdeal habe keinen Bestand mehr. Sein Land fühle sich nicht länger an die darin festgehaltenen Verpflichtungen gebunden, sagte er in einem Interview. Trump sagte dazu nach Angaben von NewsNation, dass ihm das „völlig egal“ sei.
Zivile Infrastruktur getroffen – Wasserversorgung unterbrochen
Unter dem Krieg leiden besonders die Zivilisten im Iran und in den Golfstaaten. Nach der Bombardierung einer Meerwasserentsalzungsanlage im Südosten Irans war die Trinkwasserversorgung für 10.000 Menschen unterbrochen. Angesichts von Temperaturen weit über 40 Grad treffen Angriffe auf die Wasserversorgung die Bevölkerung besonders hart. Auch in Kuwait wurde staatlichen Angaben zufolge eine Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung beschädigt. In der iranischen Hauptstadt Teheran wächst in der Bevölkerung die Sorge vor Angriffen auch in der Millionenmetropole, sollte der Krieg weiter eskalieren.
Internationale Vermittlungsbemühungen – Pakistan und Emirate mahnen zur Deeskalation
Der Außenminister Pakistans, Ishaq Dar, betonte in einem Telefonat mit seinem kuwaitischen Amtskollegen am Wochenende die „dringende Notwendigkeit zu deeskalieren“. Er hoffe, dass sich alle Seiten zurückhielten und das Rahmenabkommen vollständig umgesetzt werde, teilte sein Ministerium mit. Pakistan hatte in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran bisher die Rolle eines Vermittlers inne. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate fordern „ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch“. Ohne die USA und den Iran namentlich zu erwähnen, mahnte das Außenministerium der Emirate auf der Plattform X einen „sofortigen Stopp der Eskalation“ und äußerste Zurückhaltung an, „um gefährliche Auswirkungen und ein Abgleiten der Region in ein neues Ausmaß an Gewalt und Instabilität zu verhindern“.



