US-Senat: Fauci beruft sich auf Aussageverweigerungsrecht – Republikaner kritisieren "Schauprozess"
Fauci beruft sich auf Aussageverweigerungsrecht – Republikaner kritisieren

Der ehemalige medizinische Chefberater Anthony Fauci hat sich in einer Senatsanhörung auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. Die Anhörung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten entwickelte sich zu einem politischen Schlagabtausch zwischen Republikanern und Demokraten.

Fauci wirft Republikanern „völlig irrationale Besessenheit“ vor

Gleich zu Beginn der Anhörung erklärte Fauci: „Man versucht verzweifelt, mich dazu zu bringen, etwas zu sagen, das mich rechtlich gefährden könnte.“ Insbesondere Senator Rand Paul hege eine „völlig irrationale Besessenheit“ gegen ihn. Der Immunologe warf Paul vor, ihn um jeden Preis „hinter Gitter“ bringen zu wollen. Auf Anraten seiner Anwälte machte Fauci von seinem Schweigerecht Gebrauch und berief sich auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung.

Paul hingegen argumentierte, die Berufung sei „unbegründet“, da Ex-Präsident Joe Biden Fauci vor seinem Ausscheiden präventiv begnadigt habe. Biden erklärte damals, er wolle Fauci vor „grundloser und politisch motivierter Strafverfolgung“ schützen. Der demokratische Senator Richard Blumenthal warf dem Ausschussvorsitzenden Rand Paul vor, einen „Schauprozess“ zu veranstalten, der von einer „persönlichen Vendetta“ getrieben sei.

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Bizarre Szenen im Ausschuss

Nach Faucis Aussageverweigerung versuchte der republikanische Senator Josh Hawley mit belanglosen Fragen wie „Welche Farbe hat meine Krawatte?“ oder „Welcher Wochentag ist heute?“ aus der Reserve zu locken. Fauci antwortete jedes Mal mit Verweis auf den fünften Verfassungszusatz. Die Sitzung geriet zunehmend zu einer Farce, die von Beobachtern als beispiellos bezeichnet wurde.

Fauci war fast vier Jahrzehnte Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und arbeitete unter sieben US-Präsidenten. Während der Corona-Pandemie wurde er zur zentralen Figur im Kampf gegen das Virus, beriet sowohl Donald Trump als auch Joe Biden. Für die Republikaner steht Fauci jedoch für die Fehler der Pandemiebekämpfung, obwohl viele Entscheidungen, wie etwa die Maskenpflicht, politisch waren und nicht von ihm getroffen wurden.

Corona-Ursprung neu entfacht

Kurz vor der Anhörung veröffentlichte Rand Paul Auszüge aus Faucis Tagebüchern. Laut „Wall Street Journal“ schrieb Fauci im Januar 2020 über den Wildtiermarkt in Wuhan: „Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war.“ Die Zeitung warf Fauci Sturheit und Eitelkeit vor, da er sich über die mediale Aufmerksamkeit 2020 gefreut und sich als Vorbild gesehen habe.

Im Mai 2021 notierte Fauci: „Ich habe immer gesagt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist. Angesichts der Spekulationen über ein Laborleck bin ich mir jedoch nicht hundertprozentig sicher und fordere eine gründliche Untersuchung.“ Die CIA schätzt mittlerweile mit „geringer Sicherheit“, dass ein forschungsbedingter Ursprung der Pandemie wahrscheinlicher sei als ein natürlicher. Auch der ehemalige Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hält die Laborthese für plausibler, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte. Ein eindeutiges Ergebnis liegt bis heute nicht vor.

Rand Paul ist seit Jahren überzeugt, dass Fauci die Theorie eines natürlichen Ursprungs verbreitet habe, um ein Laborleck in Wuhan zu verschleiern. Auch Donald Trump behauptete, Fauci habe versucht, China zu schützen. Die Anhörung endete ohne neue Erkenntnisse, aber mit scharfen gegenseitigen Vorwürfen.

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