G7-Gipfel in Évian-les-Bains: Macron umwirbt Trump für die Ukraine
Der G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains am Genfersee steht im Zeichen der Ukraine. Gastgeber Emmanuel Macron versucht, US-Präsident Donald Trump wieder für den Krieg in der Ukraine zu interessieren. Trump hatte zuletzt wenig Interesse gezeigt, doch heute wird er sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Auch die Verbündeten vom Golf sind anwesend, deren Vertrauen in die USA durch Trumps Irankrieg erschüttert wurde.
Macron inszeniert die Gipfelshow vor der Alpenkulisse mit tausenden Sicherheitskräften. Das benachbarte Genf ist verärgert über die Verkehrsbelastung und die Kosten, die Frankreich nicht mitträgt. Der zweite Gipfeltag beginnt mit einer Sitzung zu „Frieden und Sicherheit für die Ukraine und Europa“. Ziel ist es, Bedingungen für künftige Verhandlungen zwischen Kyjiw und Moskau abzustecken, auch über Territorium soll gesprochen werden.
Hintergrund ist ein russischer Angriff auf das Kyjiwer Höhlenkloster am Montag, bei dem die Hauptkirche in Brand geriet. Die Europäer finanzieren inzwischen fast die gesamte militärische Unterstützung der Ukraine, während Trump die diplomatischen Bemühungen monopolisiert hat. Macron, Kanzler Friedrich Merz und der britische Premier Keir Starmer wollen Europas Rolle in möglichen Gesprächen stärken. Gleichzeitig soll Trumps Interesse am längsten Krieg in Europa seit dem Ersten Weltkrieg wieder geweckt werden. Macron hat Trump im Anschluss nach Versailles eingeladen, offiziell zum 250-Jahre-Jubiläum der USA, aber auch zur Verbesserung der transatlantischen Beziehungen.
Netanyahu: Verlierer des Irankriegs
Trump gibt sich als Friedensstifter im Nahen Osten, nachdem er dort einen Krieg angezettelt hatte. Die USA und Iran haben sich auf die erste Stufe eines Deals geeinigt und ein „Memorandum of Understanding“ digital signiert. Die feierliche Unterzeichnung soll am Freitag in Genf folgen. Doch der Deal hat einen Konstruktionsfehler: Er verspricht das Ende der Kampfhandlungen „an allen Fronten, einschließlich Libanon“, aber Israel will sich nicht daran halten. Premier Benjamin Netanyahu ließ Washington wissen, dass Israel seine Truppen nicht abziehen und weiter gegen die Hisbollah vorgehen werde.
Netanyahu wirkte anfangs wie der Sieger, weil er Trump zum Krieg überredet hatte. Nun wirkt er wie der Verlierer. Meine Kollegin Juliane von Mittelstaedt kommt zum Schluss: „Netanyahu hat das Versprechen nicht erfüllt, die Gefahr einer iranischen Atombombe langfristig zu bannen.“ In Israel ist das Urteil einhellig – von „Katastrophe“ bis „strategischer Tiefpunkt“. Netanyahu kann die Waffenruhe nicht brechen, ohne Trump zu provozieren, und die Hisbollah nicht ignorieren, da Zehntausende Israelis nicht in ihre Häuser im Norden zurückkehren können. Je näher die Wahl im Herbst rückt, desto offener könnte Netanyahu Trump herausfordern, was die amerikanisch-israelische Allianz gefährden könnte.
Deutschland weiht Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen ein
Innenminister Alexander Dobrindt weiht heute in Berlin das „Gemeinsame Zentrum zur Abwehr Hybrider Bedrohungen“ (GAZ Hybrid) ein. Hintergrund sind zunehmende Drohnenüberflüge über Marinewerft in Kiel, Bundeswehr-Liegenschaften und Erdgasspeicher in Ostfriesland, die vermutlich von russischen Schiffen in der Ostsee gestartet wurden. Nach einer Erhebung des Londoner Instituts IISS verzeichnete Deutschland zuletzt die meisten physischen Angriffe auf kritische Infrastruktur in Europa. Der BND warnt vor einer möglichen militärischen Eskalation mit Russland vor 2029.
Das GAZ Hybrid ist keine neue Behörde, sondern eine Plattform, auf der Bundeskriminalamt, Bundespolizei, Verfassungsschutz, BND und Militärischer Abschirmdienst ihre Erkenntnisse bündeln, um gegen Sabotage, Spionage und Desinformation vorzugehen. Es entsteht neben dem gemeinsamen Terrorabwehrzentrum, das seit 2004 den Kampf gegen den Terror bündelt.
Weitere Themen: WM, Gentechnik und vegane Wurst
Bei der Fußball-WM sicherte sich Iran dank fanatischer Unterstützung einen Punktgewinn in Los Angeles. Uruguays Trainer Bielsa sucht nach Erklärungen für den schwachen Auftakt. Im SPIEGEL-Leitartikel wird die EU-Reform zur Gentechnik in Lebensmitteln kritisiert. Die vegane Wurst hat die europäische Wortpolizei überlebt: Das EU-Parlament wird voraussichtlich einen Kompromiss bestätigen, der „Wurst“, „Burger“ und „Nuggets“ für vegane Produkte erlaubt, während 31 Begriffe wie „Hähnchen“ und „Steak“ gesperrt bleiben. Friedrich Merz hatte sich für ein Verbot starkgemacht, doch Aldi, Lidl, Burger King und Rügenwalder Mühle setzten sich durch.
Nachtmeldungen: B-52-Absturz, Wadephul zu Hormus, Videoreferee
Ein B-52-Bomber der US-Streitkräfte ist in Kalifornien abgestürzt, acht Todesopfer werden befürchtet. Außenminister Johann Wadephul nennt Bedingungen für einen deutschen Militäreinsatz in der Straße von Hormus. Der Videoreferee Shaun Evans beteuert nach einer umstrittenen Handgeste seine Unschuld und spricht von einer „unbewussten Zuckung“.
SPIEGEL Extra: Japanese Walking
Intervall-Spaziergänge könnten helfen, regelmäßige Bewegung in den Alltag zu integrieren. Der Fitnesstrend Japanese Walking ist effektiv und unterstützt die Gewichtsreduktion.



