Évian-les-Bains (Frankreich) – Plötzlich neue Hoffnung für die Ukraine: US-Präsident Donald Trump (80) überraschte seine Gipfel-Kollegen beim G7-Treffen der weltweit mächtigsten Industriestaaten mit unerwartet milder Stimmung. Lag es an der Geburtstagssause in Washington und dem langen Flug mit der Air Force One direkt danach? Oder an den intensiven Vorgesprächen, die auch die Deutschen geführt hatten? Jedenfalls schien Trump milder gestimmt als sonst.
Ein Trikot als diplomatisches Geschenk
Der US-Präsident ließ sich sogar ein anerkennendes „great“ entlocken. Sein Dank galt dem nachträglichen Überraschungsgeschenk, das ihm Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) überreichte: ein Trikot der deutschen Nationalelf, passend zur Fußball-WM in den USA. Der Clou: Das Trikot ist beflockt mit der Nummer 47 (weil Trump der 47. Präsident ist) und seinem Namen.
Wogen glätten und Zukunft gestalten
Lässt sich mit einem Trikot das angeknackste Verhältnis zwischen Merz und Trump kitten? Nein. Aber der G7-Gipfel in der Mineralwasser-Stadt am Genfer See erwies sich als gute Gelegenheit, die Wogen zu glätten. Außerdem ist Trump jetzt stolz, dass es – aller Kritik zum Trotz – ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran gibt. Merz’ frühere unbedachte Äußerung über den Iran-Krieg (USA von Iran „gedemütigt“), die Trump in Rage gebracht hatte, war deshalb nicht mehr Thema. Stattdessen ging es um die Zukunft, insbesondere um die Frage, welche Hilfe die G7-Staaten bei der Räumung der Straße von Hormus leisten können. Die entsprechenden Zusagen konnte Trump sich bei den Kollegen abholen. Deutschland – das hatte Merz schon vor seinem Abflug deutlich gemacht – steht bereit, seine modernen Minenjagdboote an die seit Monaten von Iran versperrte Meerenge zu schicken.
Trump erhöht Druck auf Russland
Ob Trump die deutschen Minenjagdboote wirklich will, ließ er zunächst offen. Jedenfalls zeigte er sich zur Freude der Europäer bereit, den Druck auf Russland zu erhöhen. Ziel: Aggressor Putin soll in neue Verhandlungen mit der Ukraine eintreten. Der Moment scheint günstig, weil die Ukraine plötzlich wieder stärker dasteht. Prompt forderte Trump nach der Runde mit dem Ukraine-Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auch öffentlich, Russland „sollte ein Abkommen schließen“. Mehr noch, er drohte sogar mit der Wiederaufnahme der US-Sanktionen gegen russische Öl-Exporte. Die USA würden „bald in der Lage sein“, dies zu tun, sagte Trump.
Das kam bei G7 einer kleinen Sensation gleich. Denn alle wissen: Nur Druck aus den USA kann Putin überhaupt beeindrucken. Trump schien die Berichte zu kennen, wie die Ukraine immer wieder Landgewinne erzielt, wie sie mit ihren Drohnen den Aggressor in die Schranken weist. Auch die 90 Milliarden, die die EU jetzt zur Unterstützung der Ukraine locker macht, sollen ihn beeindruckt haben.
Merz überrascht von Trumps Kooperation
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Abend, er habe Trump „sehr kooperativ und aufmerksam zuhörend“ erlebt. Seine Ansage an Russland, dass es den Krieg beenden müsse, sei dann „sehr klar“ gewesen. Dabei klang Merz selbst überrascht.



