Die goldenen Zeiten des sogenannten Monaco-Bataillons ukrainischer Oligarchen scheinen vorbei zu sein. Nach einem Bombenanschlag auf den umstrittenen Unternehmer Wadym Jermolajew in Monaco Ende Juni, bei dem er, seine Partnerin und ihr Sohn schwer verletzt wurden, ist die einstige Sorglosigkeit an der Côte d'Azur verflogen. Die mutmaßliche Täterin, eine 39-jährige Ukrainerin, wurde tot in der Nähe von Kiew aufgefunden. Die ukrainische Polizei nahm zwei Männer fest – einen Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes HUR und einen ehemaligen Sicherheitsbeamten. Der HUR-Mann gestand, die Frau getötet zu haben; die Ermittler gehen davon aus, dass beide den Anschlag organisierten. Jermolajew selbst glaubt, das Attentat sei eine gezielte Operation ukrainischer Geheimdienstler gewesen.
Das Monaco-Bataillon: Luxus während des Krieges
Der Begriff „Monaco-Bataillon“ wurde vom Journalisten Mychajlo Tkatsch geprägt, der im August 2022 für die „Ukrainska Prawda“ rund 80 ukrainische Superreiche dokumentierte, die nach der russischen Invasion an die Riviera geflohen waren. Sie zeigten eine Welt aus Mega-Jachten, Luxusautos mit ukrainischen Kennzeichen und prunkvollen Villen – ein scharfer Kontrast zu den zerstörten Städten der Ukraine. Jermolajew, damals auf Platz 45 der reichsten Ukrainer, wurde dabei gefilmt, wie er das Casino von Monte-Carlo verließ und in einen Bentley Flying Spur stieg. Viele dieser „Elite-Flüchtlinge“ waren Vertreter der prorussischen Opposition oder pflegten Geschäftskontakte nach Moskau. Jermolajew, der die ukrainische Staatsbürgerschaft 2019 ablegte und heute zyprischer Staatsbürger ist, wurde 2023 wegen seiner Aktivitäten auf der von Russland annektierten Krim sanktioniert.
Rinat Achmetow: Der reichste Ukrainer und sein Milliarden-Immobilien
Das bekannteste „Mitglied“ des Bataillons ist Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine. Er ist zugleich einer der größten privaten Unterstützer der ukrainischen Armee und Zivilbevölkerung. Seine Unternehmensgruppe SCM, seine Stiftung und der Fußballclub Schachtar Doneck stellten seit Kriegsbeginn rund 340 Millionen Euro für Armee, humanitäre Hilfe und Wiederaufbau bereit. Gleichzeitig gab Achmetow immense Summen für Immobilien an der Riviera aus. Anfang 2024 kaufte er eine 2500 Quadratmeter große Wohnung im Nobelviertel Mareterra in Monaco für rund 471 Millionen Euro – der teuerste private Immobilienkauf der Geschichte. Bereits seit 2019 besitzt er die Villa „Les Cèdres“ auf der Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat, die rund 200 Millionen Euro wert ist. Anders als Jermolajew lebt Achmetow nicht dauerhaft an der Riviera, sondern nutzt die Residenzen als Rückzugsorte.
Wiktor Pintschuk und die Brüder Surkis
Wiktor Pintschuk, Stahlmagnat und Schwiegersohn von Ex-Präsident Leonid Kutschma, zählt ebenfalls zum Bataillon. Er pflegt enge Kontakte in den Westen und lud über sein „Jalta European Strategy“-Forum prominente Gäste wie Bill Clinton und Tony Blair ein. Seit Kriegsbeginn hält er sich nur zeitweise an der Côte d'Azur auf und betont, seine Programme für ukrainische Veteranen fortzuführen. Die Brüder Hryhorij und Ihor Surkis hingegen verließen die Ukraine zwei Tage nach Kriegsbeginn auf wenig ehrenhafte Weise: Sie sollen 17,6 Millionen US-Dollar Bargeld illegal im Gepäck ihrer Luxus-SUVs aus dem Land gebracht haben. Beide bauten ihr Vermögen in den 1990er-Jahren in der Energie- und Finanzbranche auf und waren immer wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. 1995 versuchten sie, den Schiedsrichter vor einem Champions-League-Spiel mit zwei Nerzmänteln und 30.000 Dollar zu bestechen. Nach Kriegsbeginn quartierten sie sich im Monte-Carlo Bay Hotel & Resort ein – in einem Apartment für rund 2 Millionen Euro pro Jahr.
Politisch brisant: Serhij Ljowotschkin
Serhij Ljowotschkin, ehemaliger Leiter der Präsidialverwaltung unter Wiktor Janukowitsch, ist politisch wohl der brisanteste Fall. Er war einer der führenden Köpfe der prorussischen und EU-skeptischen Partei „Oppositionsplattform – Für das Leben“, die nach der russischen Vollinvasion verboten wurde. Während sein Mitstreiter Wiktor Medwedtschuk festgenommen und später gegen Kriegsgefangene ausgetauscht wurde, genießt Ljowotschkin sein Leben an der Riviera – in einer Villa auf Saint-Jean-Cap-Ferrat, die Berichten zufolge rund 40 Millionen Euro kostet.
Rückgang und Verlagerung nach Dubai
Wie viele ukrainische Exil-Oligarchen heute noch an der Riviera leben, ist unklar. Der ukrainische Botschafter in Frankreich, Wadym Omeltschenko, schätzt die Zahl auf 20 bis 30 – deutlich weniger als die rund 80, die Tkatschs Team 2022 dokumentierte. Einige hätten Dubai vorgezogen, andere seien zurückgekehrt oder hätten ihr Vermögen verloren, sagte er der französischen Presse. Tatsächlich prägte die „Ukrainska Prawda“ wenig später den Begriff „Bataillon Dubai“ für reiche Ukrainer in den Emiraten. Für viele Verbliebene ist das Leben an der Riviera nicht mehr so sorglos wie einst. Nach dem Attentat auf Jermolajew dürfte auch die Sicherheitsfrage eine größere Rolle spielen. Die goldenen Zeiten des Monaco-Bataillons scheinen endgültig vorbei.



