Golfstaaten suchen Alternativen zur blockierten Straße von Hormus
Golfstaaten umgehen blockierte Straße von Hormus

Seit rund vier Monaten ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert – ein Viertel des weltweiten Erdöltransports zur See ist dadurch lahmgelegt. Die Golfstaaten suchen fieberhaft nach Alternativen, um ihre Exporte trotzdem ans Ziel zu bringen. Selbst nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist unklar, wann der Konflikt endet und die Meerenge wieder sicher passierbar ist. Mit den jüngsten Angriffen beider Seiten ist die Lage erneut eskaliert, der Iran beansprucht in der Meerenge wieder die vollständige Kontrolle.

Milliardenverluste zwingen zum Handeln

Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak suchen dringend nach neuen Wegen. Im Fokus stehen Pipelines, aber auch Landwege auf Straßen und Schienen, um Öl und Containerwaren zu umleiten. Saudi-Arabien denkt zudem über eine Erhöhung seiner weltweiten Öllagerkapazitäten nach. Die niederländische Denkfabrik HCSS spricht vom „größten und komplexesten Energie-Schock der Geschichte“. Der Druck ist enorm: Kuwait exportierte im April erstmals seit 1991 überhaupt kein Öl mehr, wie die Website Tankertrackers.com berichtete.

Warum gibt es nicht längst andere Exportwege? Pipelines über Land sind teuer, politisch oft schwierig und leiden unter Verzögerungen. Der Iran droht bereits seit über 40 Jahren mit der Schließung der Straße von Hormus, zuletzt im Krieg mit dem Irak. Energieexperten fordern seit Langem alternative Routen. Nun, mit laufenden Verlusten in Milliardenhöhe, ist der Druck noch einmal gestiegen.

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VAE: Ausbau der Pipeline-Kapazitäten

Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wenigen Staaten, die bereits einen Teil ihres Rohöls über Pipelines transportieren können. Eine neue West-Ost-Pipeline an den Golf von Oman wird beschleunigt gebaut, um die Kapazität von 1,8 auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag zu verdoppeln. Die Inbetriebnahme ist für das kommende Jahr geplant. Als futuristische Idee ist sogar eine „Straße der Einheit“ im Gespräch – ein künstlicher maritimer Korridor quer durch die Emirate, vom Persischen Golf zum Oman. Ein Architekturbüro aus Dubai hat erste Entwürfe vorgestellt, doch viel mehr als Designs dürfte daraus nicht werden.

Kuwait: Anschluss an saudische und emiratische Pipelines

Kuwait liegt im Nordwesten des Persischen Golfs und ist beim Export strikt auf den Seeweg angewiesen. Nawaf Al Sabah, Vorsitzender des staatlichen Ölkonzerns, erklärte in Washington, dass Kuwaits Öl künftig über die emiratischen und saudischen Pipelines an den Weltmarkt gebracht werden soll. Beide Länder nutzen diese Pipelines bereits seit Kriegsbeginn in höchstmöglichem Maß. Diskutiert wird auch ein Anschluss an die stillgelegte „Tapline“, die Trans-Arabische Pipeline, die ab 1950 Öl von Saudi-Arabien über Jordanien und Syrien bis zum Libanon ans Mittelmeer pumpte. Der Betrieb wurde 1990 eingestellt, als Tanker und der Suezkanal den Seeweg lukrativer machten.

Irak: Pipeline über Türkei und Lkw-Routen

Der Irak hat bereits in den 1980er Jahren im Krieg mit dem Iran erfahren, wie der Ölexport zum Erliegen kommen kann. Eine wichtige Alternative ist die Pipeline über die Kurdenregion und die Türkei zum Mittelmeer. Trotz politischer Streitigkeiten wurden die Exporte wieder aufgenommen und liegen bei etwa 220.000 Barrel täglich. Die Regierung will diese Menge möglichst verdreifachen. Eine weitere Pipeline führt ebenfalls über die Türkei, vorbei an kurdisch kontrollierten Gebieten, und soll nach einer Testphase weitere 300.000 Barrel täglich exportieren. Da der Irak zu mehr als 90 Prozent der staatlichen Einnahmen vom Ölgeschäft abhängt, wird Öl neuerdings auch mit Tanklastern über Syrien ans Mittelmeer gebracht. Täglich starten Hunderte Tankwagen auf dieser teureren und gefährlicheren Route.

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Alternative Routen für andere Güter

Auch für andere Güter als Öl gibt es Versuche, die Straße von Hormus zu umgehen. Die Reederei MSC kündigte im Mai neue Routen an, die teils mit Lastwagen quer durch Saudi-Arabiens Wüste führen. Die dänische Großreederei Maersk informiert Kunden seit Wochen über neue „Landbrücken“ für Lieferungen aus und nach Saudi-Arabien, Bahrain und Katar. Die Türkei und Saudi-Arabien planen gemeinsam eine Zugstrecke über Jordanien und Syrien, deren Anfänge bis ins Osmanische Reich zurückgehen. Allerdings ist unklar, wann der Betrieb starten kann und wer das Projekt finanziert. Kyle Henderson, Experte für globalen Containerverkehr, sagt dem Fachmagazin „FDI Intelligence“: Der Handel im „multimodalen Verkehr“ werde wegen der sinkenden Verlässlichkeit von Seewegen in der Region „neu geschrieben“. Transfers von Gütern in Saudi-Arabien, dem Oman und der Türkei vom See- auf den Landweg würden zu „entscheidenden Verbindungen im weltweiten Containerfluss“ – und das auf eine Weise, „die es so vorher noch nie gab“.