Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen, der in einem pazifistischen Umfeld aufwuchs und den Kriegsdienst verweigerte, hat sich als Reservist bei der Bundeswehr gemeldet. In einem Interview mit dem SPIEGEL gewährt er Einblicke in seine Motivation und berichtet von seinen Erfahrungen, unter anderem vom Schießen mit dem Sturmgewehr.
Von der Verweigerung zur Reserve
Dahmen, der heute als Abgeordneter im Bundestag sitzt, durchlief einen bemerkenswerten Wandel. Er, der einst aus Überzeugung den Dienst an der Waffe verweigerte, absolviert nun Übungen als Reservist. „Ich habe mich entschieden, meinen Teil zur Verteidigung beizutragen“, erklärte der Politiker. Dieser Schritt sei das Ergebnis einer langen persönlichen und politischen Reflexion, die durch die veränderte Sicherheitslage in Europa beschleunigt wurde.
Pazifistische Wurzeln und neue Realitäten
Dahmen schildert, wie er in einem Milieu aufwuchs, das den Pazifismus hochhielt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe jedoch seine Sichtweise fundamental verändert. „Die Zeiten haben sich geändert, und wir müssen uns den neuen Bedrohungen stellen“, so Dahmen. Seine Entscheidung, Reservist zu werden, sei kein Widerspruch zu seinen früheren Überzeugungen, sondern eine logische Konsequenz aus der Erkenntnis, dass Frieden auch verteidigt werden müsse.
Training mit dem Sturmgewehr
Im Interview beschreibt Dahmen auch die praktischen Aspekte seiner Reservistentätigkeit. Das Schießen mit dem Sturmgewehr sei für ihn eine völlig neue Erfahrung gewesen. „Es ist ein ernster Moment, wenn man die Waffe in der Hand hält“, sagt er. Die Ausbildung habe ihm nicht nur militärische Fähigkeiten vermittelt, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Arbeit der Soldaten. Er betont, dass die Bundeswehr eine wichtige Rolle in der Sicherheitsarchitektur Deutschlands spiele.
Reaktionen aus der Partei
Dahmens Schritt stieß innerhalb der Grünen auf gemischte Reaktionen. Während einige Parteimitglieder seine Entscheidung als pragmatisch und notwendig lobten, äußerten andere Kritik. Der Abgeordnete zeigt sich jedoch überzeugt: „Ich vertrete meine Partei nicht nur im Parlament, sondern auch in der Reserve. Das ist ein Dienst an der Gesellschaft.“ Er hofft, dass sein Beispiel andere ermutigt, sich ebenfalls zu engagieren.
Ein Zeichen für die Zeitenwende
Die Entscheidung Dahmens fällt in eine Zeit, in der die Bundeswehr einen grundlegenden Wandel durchläuft. Die sogenannte Zeitenwende, ausgerufen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, hat auch die Grünen vor neue Herausforderungen gestellt. Dahmen sieht seinen Dienst als Reservist als Teil dieser Entwicklung. „Wir müssen bereit sein, unsere Werte zu verteidigen – notfalls auch mit der Waffe“, sagt er abschließend.



