100.000 Euro für bewaffneten Kampf? Islamisten raubten Berliner Familie aus
Berlin – Ist das Rätsel um den 100.000-Euro-Raub aus einer Marzahner Plattenbauwohnung gelöst? Die Spuren führen ins islamistische Milieu.
Vier maskierte Täter stürmten am vergangenen Freitag eine Wohnung im 17. Stock eines Hochhauses an der Poelchaustraße in Marzahn. Sie riefen „Polizei, aufmachen!“ – eine dreiste Lüge. Die brutalen Räuber sprühten Reizgas, griffen die Familie mit Messern und einer Pistole an. Ihr Ziel: mehr als 100.000 Euro Bargeld, das in der Wohnung lagerte.
Die Täter gingen bei dem vorgetäuschten Polizeieinsatz zielstrebig vor. Erst attackierten sie den Mann, stürmten ins Schlafzimmer und verletzten die Mutter. Dort öffneten sie einen Schrank und raubten den sechsstelligen Bargeldbetrag.
Sohn hielt Räuber fest
Ein Sohn des Ehepaares leistete jedoch massiven Widerstand. Er konnte einen der Räuber festhalten, bis die Polizei eintraf. Bei dem Täter handelt es sich um den Deutsch-Mazedonier Jasin D. (18). Er ist der Polizei bereits wegen Diebstahls und Beleidigung bekannt, zudem soll er zweimal Propagandamaterial verbreitet haben. Konkret soll er sogenannte Nashids im Internet gepostet haben. Dabei handelt es sich um religiöse islamische Gesänge, die oft von extremistischen Gruppen zu Propagandazwecken eingesetzt werden.
Chat verriet Afghanistan-Pläne
Ermittler des LKA 8 werteten einen Chatverlauf auf seinem Handy aus. Darin schrieb Jasin D., dass er nach Afghanistan auswandern wolle. Aus dem Kontext des Chats ging hervor: Er wollte sich dort am bewaffneten Kampf beteiligen.
Die übrigen drei Täter konnten flüchten. Doch der Sohn gab einen entscheidenden Hinweis. Er führte zu dem Russen Mansur D. (17), der in Grosny (Tschetschenien) geboren wurde. Bei der Polizei ist er wegen gefährlicher Körperverletzung, Vergewaltigung, Schutzgelderpressung, Diebstahls, Drogenhandels und Sachbeschädigung bekannt.
SEK-Einsatz blieb erfolglos
Gegen 17 Uhr am selben Tag durchsuchten Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) seine Wohnung an der Straße Alt-Friedrichsfelde – ergebnislos. Mansur D. ist bis heute auf der Flucht. Laut Ermittlern hat er früher geäußert, sich dem Islamischen Staat (IS) anschließen zu wollen.
Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Täter mit dem Raub ihre Ausreise finanzieren wollen.
Haftbefehl gegen Jasin D.
Jasin D. wurde einen Tag nach dem Überfall einem Bereitschaftsrichter vorgeführt. Er erließ einen Haftbefehl. Und warum hatte die Familie 100.000 Euro in der Wohnung? Laut Ermittlern hatte die Familie ausgesagt, sie spare auf eine Hochzeit. Das Geld soll angeblich aus den Einnahmen von mehreren Restaurants eines Bekannten stammen.



