JD Vance, der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat, hat ein neues Buch veröffentlicht: „Communion“. Darin knüpft er an seine Autobiografie „Hillbilly Elegy“ an, in der er über seine schwere Kindheit in ärmlichen Verhältnissen in Ohio und Kentucky schrieb. Diesmal geht es um seinen Weg zum katholischen Glauben. Der Ton des Buches ist überraschend mild, versöhnlich und geradezu liebevoll, wie der Tagesspiegel berichtet. Feinde kennt der Autor nicht, nur Meinungsverschiedenheiten. Schließlich seien wir alle Gottes Kinder, schreibt Vance. Dies steht in starkem Kontrast zu seinem Ruf als polarisierender Politiker, der einst über „kinderlose Katzenfrauen“ herzog.
Vances Wandel vom Autor zum Politiker
Vance wurde 2016 mit „Hillbilly Elegy“ berühmt, das die Lebensrealität der weißen Unterschicht in den USA beschrieb. Das Buch wurde verfilmt und machte ihn zu einer Stimme des ländlichen Amerikas. Nun, acht Jahre später, veröffentlicht er „Communion“. Der Titel bezieht sich auf die christliche Eucharistie, aber auch auf die Gemeinschaft der Gläubigen. Vance beschreibt, wie er vom protestantischen Evangelikalismus zum Katholizismus konvertierte. Die katholische Kirche, so schreibt er, gebe ihm Halt in einer zerrissenen Welt. Der Autor Malte Lehming analysiert, dass Vance sich mit diesem Buch auch politisch in Stellung bringe. „Er zeigt sich als versöhnlicher Konservativer, der Brücken bauen will – aber die Botschaft bleibt konservativ“, so Lehming.
Der milde Ton als Strategie
Der versöhnliche Ton in „Communion“ könnte Teil einer Strategie sein, um Wähler aus der Mitte anzusprechen. Vance, der als Running Mate von Donald Trump für das Amt des Vizepräsidenten kandidiert, muss sein Image aufpolieren. In der Vergangenheit fiel er durch aggressive Äußerungen auf, etwa gegen kinderlose Frauen oder Migranten. In „Communion“ hingegen schreibt er: „Wir müssen lernen, einander zuzuhören, selbst wenn wir uns nicht einig sind.“ Diese Worte wirken wie eine direkte Antwort auf seine Kritiker. Doch Lehming warnt: Der milde Ton dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Vance an seinen politischen Positionen festhalte. „Er bleibt ein Hardliner in der Migrations- und Sozialpolitik“, so der Journalist.
Die Rolle des Glaubens in Vances Politik
Vance nutzt sein Buch, um den Glauben als Fundament seiner Politik darzustellen. Er schreibt über die Bedeutung von Familie, Gemeinschaft und Tradition. „Die Linke hat die Familie zerstört, der Glaube kann sie wieder aufbauen“, heißt es an einer Stelle. Dies ist eine klare Botschaft an konservative Wähler. Gleichzeitig versucht Vance, sich als Anführer einer neuen konservativen Bewegung zu positionieren, die über Trump hinausgeht. „Communion“ ist nicht nur eine Autobiografie, sondern ein politisches Manifest. Es zeigt, wie Vance den Katholizismus als Kitt für eine gespaltene Nation nutzen will.
Reaktionen und Einordnung
Das Buch hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während konservative Kreise es als „mutiges Bekenntnis“ loben, kritisieren Liberale den Versuch, Religion für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Der Tagesspiegel betont, dass Vances Wandel vom Autor zum Politiker exemplarisch für die Entwicklung der amerikanischen Rechten sei. „Er war einst ein Kritiker Trumps, heute ist er sein Verbündeter“, schreibt Lehming. „Communion“ zeigt, wie Vance diese Wende mit Glauben und Versöhnung verbrämt. Ob die Wähler diese Botschaft kaufen, wird sich bei der Wahl im November zeigen.



