Ungarns Ministerpräsident hat überraschend die Schachweltmeisterin Judit Polgár als neue Präsidentin des Landes vorgeschlagen. Die 49-jährige Supergroßmeisterin, die als stärkste Schachspielerin der Geschichte gilt, soll die Nachfolge von Katalin Novák antreten. Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Ungarn nach innenpolitischen Spannungen ein Symbol der Einheit sucht.
Eine Karriere gegen alle Widerstände
Judit Polgár wurde 1976 in Budapest geboren und wuchs in einem kommunistischen Ungarn auf. Ihr Vater László Polgár, ein Pädagoge, förderte seine Töchter systematisch im Schach. Judit und ihre Schwestern Zsuzsa und Zsófia wurden zu Ausnahmetalenten. Judit selbst wurde mit 15 Jahren der jüngste Großmeister der Geschichte – ein Rekord, der bis heute hält. Sie besiegte zahlreiche Weltmeister wie Garri Kasparow, Anatoli Karpow und Wladimir Kramnik. „Ich habe gelernt, dass man mit harter Arbeit und Entschlossenheit jede Barriere überwinden kann“, sagte Polgár einmal in einem Interview.
Politische Signalwirkung
Der Vorschlag des Ministerpräsidenten wird als klares Zeichen gewertet: Polgár steht für Exzellenz, internationale Anerkennung und Überparteilichkeit. Sie ist keine Politikerin, aber eine national und international hochgeschätzte Persönlichkeit. „Judit Polgár ist eine Ikone, die Ungarn weltweit positiv repräsentiert“, erklärte ein Regierungssprecher. Die Opposition reagierte verhalten, zeigte sich aber grundsätzlich gesprächsbereit. Politische Analysten sehen in der Nominierung den Versuch, das angeschlagene Image der Regierung aufzupolieren.
Die Reaktionen in Ungarn
In Umfragen sprechen sich knapp 60 Prozent der Ungarn für Polgár als Präsidentin aus. Besonders junge Menschen und Intellektuelle unterstützen den Vorschlag. „Sie ist eine der größten Ungarinnen aller Zeiten“, sagte ein Student in Budapest. Kritiker bemängeln jedoch ihre fehlende politische Erfahrung. Das Amt des Staatspräsidenten ist in Ungarn vor allem repräsentativ, aber in Krisenzeiten kann es politisches Gewicht entfalten. Polgár selbst hat sich noch nicht öffentlich geäußert, aber Kreise aus ihrem Umfeld signalisieren Bereitschaft.
Eine neue Ära für Ungarn?
Sollte Polgár gewählt werden, wäre sie die zweite Frau im Präsidentenamt nach Katalin Novák. Ihre Wahl könnte ein Signal für mehr Frauen in Führungspositionen sein. Zudem wäre sie die erste Schachspielerin an der Spitze eines Staates. „Das wäre ein starkes Symbol für die Kraft des Geistes und der Bildung“, kommentierte ein ungarischer Historiker. Die Entscheidung liegt nun beim Parlament, das voraussichtlich im Herbst abstimmen wird. Bis dahin bleibt Polgár eine der faszinierendsten Kandidatinnen für das höchste Staatsamt.



