Der Fall um die Leihmutterschaft von Unionsfraktionschef Jens Spahn (46, CDU) sorgt für scharfe Kritik von Seiten der Kirchen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche werfen dem CDU-Politiker Doppelmoral und einen Verstoß gegen die Menschenwürde vor. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke waren im Juni 2026 Eltern eines Sohnes geworden, der in den USA von einer Leihmutter geboren wurde.
Bischof Oster: „Echter Skandal“
Der katholische Passauer Bischof Stefan Oster (61) bezeichnete die Leihmutterschaft als „echten Skandal“. Er kritisierte, dass Spahn bewusst gegen die Gesetze des Landes und die Grundlinien der eigenen Partei verstoßen habe, um seine eigenen Wünsche zu erfüllen. Besonders pikant: Der CDU-Politiker bekenne sich öffentlich zur katholischen Kirche – und befürworte nun Leihmutterschaft. „Er hat damit aus meiner Sicht einen Schritt getan, den wir als Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft nie werden mitgehen können“, so Oster.
Der Bischof betonte, dass Leihmutterschaft aus guten Gründen in Deutschland verboten sei. Diese Praxis verstoße gegen die Menschenwürde. Spahn hatte sich in der Vergangenheit selbst gegen Leihmutterschaft ausgesprochen, auch die CDU lehnt diese in Deutschland verbotene Praxis ab. Oster erklärte weiter: „Das Kind von Spahn und dessen Mann sei jetzt schon eine öffentliche Person, und es ist diese Person als ‚gekaufte Ware‘. Noch wisse das Kind nichts davon – doch später werde es diese Last tragen müssen.“
Evangelische Kirche: Doppelmoral und fehlende Glaubwürdigkeit
Auch aus der evangelischen Kirche kamen kritische Worte. Der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl erklärte: „Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen. Dies beschädigt auch das Vertrauen in die Politik insgesamt.“ Es gebe in Deutschland ein klares Verbot der Leihmutterschaft, dem er als Christ und Theologe zustimme. Dieses Verbot werde allerdings nicht selten umgangen, wie in dem aktuellen Fall. Wenn nun ausgerechnet ein Politiker öffentlich mache, dass er im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch genommen hat, gehe es auch um Doppelmoral und fehlende Glaubwürdigkeit.
Der Fall hat auch politische Dimensionen: Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) macht die Leihmutterschaft von Spahn zur Chefsache. Für den Fraktionschef einer christlichen Partei ist die Kritik der Kirchen ein ernstes Problem. Spahn steht nun unter Druck, sich zu den Vorwürfen zu äußern und Konsequenzen zu ziehen.



