In der aktuellen Ausgabe von „Markus Lanz“ stand die Fußball-WM 2026 im Mittelpunkt, doch schnell driftete die Diskussion in politische Gefilde ab. Der CDU-Kanzler Friedrich Merz wurde dabei ungewollt zum „Fußball-Onkel der Nation“ stilisiert, wie die Runde kritisch anmerkte.
Undav als Joker: Startelf-Debatte ohne große Emotionen
Der Sportjournalist Marcel Reif saß neben der Fußballexpertin Gaby Papenburg und dem Journalisten Robin Alexander. Thema war unter anderem Stürmer Deniz Undav, der bei Werder Bremen aussortiert wurde und nun als Joker glänzt. „Die Underdog-Geschichte“, nannte Lanz das. Reif relativierte: „Undav macht sich keinen Kopf, und so spielt er auch Fußball.“ Die Frage, ob Undav in der Startelf stehen sollte, spaltete die Runde nicht. Papenburg betonte, Undav habe als Joker funktioniert, weil er sofort präsent sei. Reif ergänzte: „Es läuft doch so gut, wenn er reinkommt.“
Deutschlands Auftritt: „So doll war es nicht“
Reif zeigte sich wenig euphorisch über die deutsche Leistung gegen die Elfenbeinküste. „So doll war es nicht“, sagte er. Der Gegner stamme „aus dem mittleren Regal“. Die Mannschaft habe sich schwergetan, aber den Widerstand überwunden – ein brauchbares Zeichen. „Die Spiele, die du 7:0 gewinnst, gewinnen sich von alleine“, so Reif. Wichtig seien die Partien, die man drehen müsse. Papenburg tippte auf einen Sieg gegen Ecuador und hält das Viertelfinale für realistisch. Reif blieb vorsichtig: „Weltmeister werden sie nicht werden.“ Immerhin sei es „nicht verboten, interessante Dinge hinzubekommen“.
Die aufgeblähte WM: Gigantomie und Skepsis
Papenburg gestand anfängliche „Schwierigkeiten mit dieser Gigantomie“ – mehr Teams, mehr Spiele, mehr Fußball. Doch sie sei überrascht, dass die zusätzlichen Mannschaften sich gut schlügen. Alexander pflichtete bei: Die Erweiterung funktioniere sportlich. Reif hingegen zeigte sich skeptisch. „Unsere Kinder kriegen wir so nicht mehr ins Stadion“, warnte er. Der Fußball werde immer größer, teurer und schwerer greifbar. „Bei aller Liebe zu Kap Verde und Curaçao“, sagte Reif, sei die aufgeblähte WM ein weiterer Schritt in einen Fußball, der sich vom normalen Publikum entferne.
Friedrich Merz: Kanzler als Motivationsredner
Ein Video zeigte Friedrich Merz, der die Nationalmannschaft vor der WM anrief. „Herr Nagelsmann, wir telefonieren mal zwischendurch“, versprach er. Papenburg war „echt erschüttert“. Das klinge, „als ob der gute Onkel telefoniert mit seinen Jungs, die da irgendwie ein Kreisliga-Spiel vor sich haben“. Reif konterte: „Aber Leute, ist es so schlimm?“ Alexander analysierte, warum Politiker bei Turnieren auftauchen: Fußball sei eine „irre Popularitätsressource“. Wenn Deutschland gewinne, „geht wieder der Run los“. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) habe sich bereits angekündigt.
Merkels WM-Erbe und die politische Bühne
Lanz zeigte Aufnahmen von Angela Merkel bei früheren WM-Momenten. Alexander beschrieb, wie Merkel sich an das Thema herangetastet habe. In ihrer Neujahrsansprache 2006 sagte sie: „Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Weltmeister. Und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.“ Reif fragte irritiert: „Das ist KI?“ Lanz verneinte.
Politische Verantwortung der Spieler
Bei der Frage, wie politisch Fußballer sein müssen, war die Runde uneins. Reif wollte Spieler aus dieser Rolle heraushalten: „Wir nehmen uns einen 22-Jährigen und fragen den zur Situation in Argentinien. Wenn man Glück habe, wisse der ungefähr, wo Argentinien liege. Das ist unsauber.“ Alexander trennte ähnlich: Die Fußballer sollten Fußball spielen, das Drumherum sei politisch. Papenburg widersprach: Der moderne Fußballer könne nicht mehr sagen, er spiele nur Fußball. Die Generation um Joshua Kimmich mache sich Gedanken um das, was passiere.
DFB und der missglückte Protest
Papenburg kritisierte den DFB scharf: Dessen politisches Auftreten sei schwach gewesen, auch bei der WM 2022 in Katar. Die Aktion mit der „One Love“-Binde, bei der Spieler sich die Hand vor den Mund hielten, nannte Reif „horrenden Mumpitz“. Nicht, weil er Protest falsch finde, sondern weil der DFB die Spieler in eine Lage gebracht habe, die niemand wirklich getragen habe. „Jeder Boykott ist mir recht, nur dann musst du es auch durchziehen“, so Reif.
Am Ende blieb die Sendung nüchtern: Fußball ist ein Geschäft mit Nähe, Bildern und Nutzen. Alle Gäste wussten das – und stritten deshalb wenig.



