81 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft erinnert im Berliner Tiergarten ein Denkmal an die Verfolgung und den Widerstand der Zeugen Jehovas. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CSU) erklärte bei der Einweihung: „Dieses Denkmal gilt den Menschen, die bitteres Unrecht erlitten und dennoch immer wieder Menschlichkeit zeigten.“ Die Glaubensgemeinschaft, damals als Bibelforscher bekannt, leistete während der NS-Diktatur Widerstand. Laut der Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ verweigerten Angehörige den Hitlergruß, traten nicht in Parteiorganisationen ein und halfen anderen Verfolgten.
Zahlen und Fakten zur Verfolgung
Mehr als 15.000 Mitglieder der Religionsgemeinschaft gerieten ins Visier der Nationalsozialisten und wurden systematisch verfolgt. Über 1.800 Mitglieder verloren nach Angaben der Stiftung ihr Leben. Die Bronzeskulptur des Künstlers Matthias Leeck ragt fünf Meter in den Himmel und ist an einen Baum angelehnt, dem die Äste abgeschnitten wurden – ein Symbol für Standhaftigkeit trotz Leid.
Standort mit historischer Bedeutung
Die Stiftung wählte den Ort in der Nähe des Goldfischteichs bewusst. Dort trafen sich Zeugen Jehovas bei einem Stuhlverleih für Besucher des Gartens und tauschten heimlich Informationen aus. Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer (parteilos) erklärte: „Die Gestapo hat ihre Verhaftungsaktion genau hier vollzogen, wo daraufhin 17 mutige Menschen direkt ihr Leben verloren.“
Politischer Beschluss und langer Weg
Der Deutsche Bundestag stimmte am 22. Juni 2023 einstimmig für das Mahnmal. Klöckner betonte: „Über viele Fragen wird bei uns sehr leidenschaftlich diskutiert und sehr unterschiedlich abgestimmt. Hier aber bestand Einigkeit.“ Bei der Einweihung im Beisein von etwa 1.000 Gästen ging sie auch auf die lange Verzögerung ein: Auch nach der Nazi-Herrschaft habe es Vorbehalte gegen die Glaubensgemeinschaft gegeben. „Ihr Glaube blieb vielen Menschen fremd und suspekt. Ihre Verfolgung und ihr Leid wurden zu wenig gesehen.“ Für Weimer schließt das Mahnmal „eine Lücke in unserer Erinnerungskultur“.



