ICC Berlin: Neue Pläne mit Hochhäusern und Philharmoniker-Umzug
ICC Berlin: Neue Pläne mit Hochhäusern und Philharmoniker

Seit 2014 steht das legendäre ICC im Berliner Westen leer. Nun hat der Berliner Senat gemeinsam mit einer Projektgruppe aus Bauunternehmen, Architekten und Planungsexperten konkrete Pläne zur Wiederbelebung des Gebäudes vorgestellt. Das Konzept sieht unter anderem zwei neue Hochhäuser vor – eines im Süden und eines im Norden des Areals. Zudem sollen die Berliner Philharmoniker ab 2032 vorübergehend in den großen Saal 1 des ICC einziehen können, wenn ihr Stammhaus am Kulturforum saniert wird.

Zwei Hochhäuser und ein durchgängiges Erdgeschoss

Das Parkhaus im Süden des ICC soll zu einem Hotel umgebaut und aufgestockt werden. Geplant ist ein „neuer Baukörperabschluss aus der Sprache des ICC“, wie Thomas Willemeit von Graft Architekten erläuterte. Im Norden, jenseits der Neuen Kantstraße gegenüber dem bisherigen Haupteingang, ist ein rund 100 Meter hohes Hochhaus vorgesehen – das Berliner Baukollegium hatte eine Höhe von bis zu 80 Metern empfohlen.

Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Öffnung der Erdgeschossebene: Sie soll rund um die Uhr für Fußgänger durchquerbar sein und gastronomische Angebote sowie Einzelhandel bieten. Zudem soll der Zugang von Süden verbessert werden, sodass eine Querung zum S-Bahnhof Westkreuz und zur Messe möglich wird.

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Philharmoniker und ZLB als mögliche Nutzer

Die designierten neuen Betreiber des ICC planen, den Umbau unter anderem durch öffentliche kulturelle Nutzungen und entsprechende Baukostenzuschüsse zu finanzieren. Bertram Schultze, Geschäftsführer von Coloured Fields (einem Partnerunternehmen der MIB AG), erklärte: „Mit dem Geld könnten wir einiges anfangen und auch die Philharmonie hier im Gebäude unterbringen.“ Laut einer Machbarkeitsstudie sind für den Alternativstandort der Philharmoniker 354 Millionen Euro eingeplant. Schultze hob hervor, dass das ICC bereits schallschutztechnisch komplett von außen abgetrennt sei – ein Vorteil gegenüber anderen Ausweichspielstätten.

Neben den Philharmonikern könnten auch die Technische Universität Berlin (TU) oder die Zentrale Landesbibliothek (ZLB) in das ICC einziehen. Beide wären im kleineren Saal 2 untergebracht, dessen mit Ketten anhebbaren Tribünen entkernt werden sollen.

Finanzierung und Zeitplan

Die Details von Nutzung und Finanzierung sollen nun in einer zweijährigen Verhandlungsphase geklärt werden. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte: „Die Überlegung, dass eine Zwischennutzung für die Philharmoniker hier eine Option sein könnte, ist eine konzeptionelle Überlegung. Das ist kein Nutzungsvertrag.“ Sie stellte klar, dass keine regulären Haushaltsmittel des Landes Berlin für das ICC verplant würden.

Birgit Möhring, Geschäftsführerin der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement BIM, räumte ein: „Wenn die Verhandlungen früher zuende gehen, umso besser. Aber es ist noch ein Weg dahin, das sage ich auch ganz deutlich. Da wird’s mit Sicherheit auch noch immer mal wieder ruckeln, aber wir sind da sehr zuversichtlich.“ Bertram Schultze bezeichnete den Zeitplan als „sportlich“, zeigte sich aber zuversichtlich.

Regierender Bürgermeister sieht „echte Perspektive“

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nannte die Pläne eine „echte Perspektive“ nach Jahren des Stillstands. Auf X schrieb er: „Wir werden jetzt alle weiteren Fragen angehen, insbesondere zu Finanzierung, Genehmigungen und Umsetzung.“ Wegner bezeichnete das 1979 eröffnete ICC, einst das größte Kongresszentrum Europas, als Wahrzeichen Berlins. „Wir wollen, dass es wieder ein Ort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Begegnung wird.“

Das Land will das Gebäude per Erbbaurecht für 99 Jahre an einen Betreiber abgeben. Federführender Investor ist die MIB AG mit weiteren Partnern, die in Leipzig das Kulturquartier Spinnerei betreibt. Seit Jahren war über die Zukunft des größten „Lost Place“ der Hauptstadt diskutiert worden; seit 2019 steht der Stahlriese unter Denkmalschutz. Sanierungsbedarf besteht wegen Schadstoffen in dem 300 Meter langen Bau mit 80 Sälen und 14.500 Sitzplätzen.

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